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Axpo Energy Reports: Zwei Wege für die Stromzukunft der Schweiz

Mit seinen «Energy Reports» legt Axpo eine umfassende Analyse zur zukünftigen Stromversorgung der Schweiz vor. Im Zentrum steht dabei die Frage: Wie und mit welchen Technologien lässt sich der steigende Bedarf im Winter decken?

Windturbine im Kanton Uri: In den Axpo-Szenarien kommt der Windenergie eine Schlüsselrolle für die Stromversorgung im Winter zu. | © Shutterstock
Windturbine im Kanton Uri: In den Axpo-Szenarien kommt der Windenergie eine Schlüsselrolle für die Stromversorgung im Winter zu.

Axpo hat Ende März seine «Energy Reports» vorgestellt. In umfangreichen Analysen entwirft der Energieversorger Szenarien für die Stromversorgung der Schweiz und evaluiert das Potenzial verschiedener Energieträger.

 

Die Elektrifizierung von Mobilität, Wärme und Industrie lässt den Strombedarf bis 2050 deutlich steigen. Gleichzeitig fällt mit dem Ausstieg aus der Kernenergie ein substanzieller Teil der heutigen Winterproduktion weg. Nach Axpo-Berechnungen müssen bis 2050 rund 40 TWh zusätzliche Stromproduktion aufgebaut werden, davon etwa 25 TWh im Winterhalbjahr. Die Axpo-Analyse kommt zum Schluss: Die Herausforderung ist lösbar – allerdings nur mit einer Kombination mehrerer Technologien und mit klaren politischen Weichenstellungen.

Zwei Szenarien – mit und ohne neue Kernkraft

Axpo entwickelt in den Energy Reports zwei mögliche Entwicklungspfade für das Schweizer Energiesystem. Beide sollen eine «verlässliche, emissionsarme und bezahlbare» Versorgung ermöglichen, unterscheiden sich jedoch im Winter-Strommix.

 

Das erste Szenario setzt auf einen Ausbau der bestehenden erneuerbaren Energien, wobei Photovoltaik und Windenergie eine zentrale Rolle spielen. Ergänzt wird dieses System durch Gaskraftwerke, die vor allem in Situationen mit ungünstigen Wetterbedingungen zum Einsatz kommen.

 

Photovoltaik bleibt dabei ein wichtiger Bestandteil, obwohl ihr Beitrag im Winter begrenzt ist. Gaskraftwerke übernehmen die Rolle einer flexiblen Reserve, die einspringt, wenn erneuerbare Quellen nicht genügend Strom liefern. Damit reagiert das Szenario auf die wachsende Residuallast, die durch den Ausbau fluktuierender erneuerbarer Energien entsteht. Gleichzeitig bleibt der Einsatz von Gas aus klimapolitischer Sicht problematisch. Axpo verweist auf mögliche zukünftige Lösungen wie CO₂-Abscheidung oder synthetische Gase, betont aber die Unsicherheiten bei Verfügbarkeit und Kosten.

 

Im zweiten Szenario wird der Energiemix um neue Kernkraftwerke ergänzt. Konkret geht Axpo vom Neubau von zwei Anlagen aus. Auch in diesem Szenario bleiben erneuerbare Energien und Gaskraftwerke Bestandteil des Systems. Die zusätzliche Kernenergie reduziert den Bedarf an weiterem Ausbau bei Photovoltaik, Wind und Gas, da ein Teil der Nachfrage durch kontinuierliche Produktion gedeckt werden kann.

 

Die Unterschiede zwischen den Szenarien zeigen sich insbesondere im Winter: Während im ersten Szenario flexible, teilweise fossile Kapazitäten eine zentrale Rolle spielen, übernimmt im zweiten Szenario Kernenergie einen grossen Teil der gesicherten Leistung.

Kosten und Systemlogik

Beide Szenarien führen zu steigenden Kosten. Die Variante mit starkem Ausbau erneuerbarer Energien und ergänzenden Gaskraftwerken fällt insgesamt teurer aus. Ausschlaggebend sind dabei weniger die reinen Stromgestehungskosten einzelner Technologien als vielmehr höhere Förderbedarfe sowie zusätzliche Kosten für Netzausbau und Systemintegration.

 

Zudem zeigt sich ein grundlegender Zielkonflikt: Photovoltaik weist eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz auf, leistet jedoch nur einen begrenzten Beitrag im Winter. Windenergie hingegen liefert viel Winterstrom, stösst aber insbesondere auf lokaler Ebene auf Widerstand. Kernenergie bietet eine stabile und planbare Produktion, ist jedoch politisch umstritten. Gaskraftwerke schliesslich sind flexibel einsetzbar, verursachen jedoch zusätzliche CO₂-Emissionen.

Windenergie: Schlüsseltechnologie mit politischen Hürden

Axpo misst der Windenergie eine zentrale Rolle für die zukünftige Stromversorgung bei. Der Grund liegt im Produktionsprofil: Ein grosser Teil der Stromerzeugung fällt im Winterhalbjahr an, womit Windenergie gezielt den saisonalen Engpass adressiert. Bisher ist der Windenergieanteil in der Schweiz noch sehr gering. Ende 2025 trugen rund 50 Anlagen lediglich etwa 0,2 Prozent zur nationalen Stromproduktion bei. Demgegenüber steht ein erhebliches theoretisches Potenzial, das etwa die Hälfte des heutigen Stromverbrauchs abdecken könnte.

 

Die Herausforderungen beim Windenergieausbau sieht Axpo weniger in der Technologie als in den institutionellen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen. Lange Bewilligungsverfahren und zahlreiche Einsprachemöglichkeiten führen zu erheblichen Verzögerungen. Gleichzeitig ist die lokale Akzeptanz oft begrenzt, auch wenn auf nationaler Ebene eine grundsätzliche Zustimmung besteht. Vor diesem Hintergrund fordert Axpo eine konsequente Umsetzung des Beschleunigungserlasses sowie eine stärkere Koordination bei der Standortplanung.

Kernenergie: Teure Option mit hohen Eintrittshürden

Die Analyse zur Kernenergie zeichnet ein differenziertes Bild. Die bestehenden Anlagen leisten heute einen zentralen Beitrag zur Versorgungssicherheit und decken im Winterhalbjahr einen erheblichen Teil der Stromproduktion.

 

Für die Zukunft sieht Axpo den Neubau von Kernkraftwerken als technisch machbar an. Die Herausforderungen liegen primär in den regulatorischen, politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Das Neubauverbot müsste aufgehoben werden, die Bewilligungsverfahren gelten als langwierig und mit Unsicherheiten behaftet. Hinzu käme, dass neue Kraftwerke ohne staatliche Unterstützung nicht wirtschaftlich betrieben werden könnten, sodass ein erheblicher Förderbedarf entsteht. Axpo selbst bezeichnet das Szenario mit neuen Kernkraftwerken deshalb als «prüfenswert», es stehe aber für Axpo als Unternehmen nicht im Vordergrund.

Vier dringende Handlungsfelder

Unabhängig vom gewählten Szenario identifiziert Axpo vier Handlungsfelder, die aus Sicht des Unternehmens in jedem Fall verfolgt werden sollten. Dazu gehört die Sicherstellung des Langzeitbetriebs bestehender Kernkraftwerke, die als vergleichsweise kostengünstige Quelle für Winterstrom gelten und dem System Zeit verschaffen.

 

Zudem sollen die Förderinstrumente stärker auf die Produktion von Winterstrom ausgerichtet werden, da die aktuellen Mechanismen vor allem den Ausbau der Sommerproduktion begünstigen. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Beschleunigung des Ausbaus der Windenergie, die als zentraler Baustein für die Winterversorgung gilt. Schliesslich fordert Axpo geeignete Rahmenbedingungen für Gaskraftwerke, die als flexible Ergänzung im Energiesystem benötigt werden.

 

www.axpo.com/energy-reports

Zürich 24.06.2026
Beitrag von: Hendrik Thielemann
Bildquelle: Shutterstock

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