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Bessere Zahlen mit ausgewogenen Teams

Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil erzielen bessere Margen, sind produktiver und binden ihre Mitarbeitenden länger. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie aus dem Kanton Zürich, die den Zusammenhang zwischen Geschlechterverteilung und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit von KMU untersucht hat.

Eine ausgewogene Geschlechterverteilung scheint sich in technikfokussierten KMU auch wirtschaftlich bezahlt zu machen. | © Istockphoto
Eine ausgewogene Geschlechterverteilung scheint sich in technikfokussierten KMU auch wirtschaftlich bezahlt zu machen.

Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil sind wirtschaftlich erfolgreicher. Sie erzielen bessere Margen, sind produktiver und halten ihre Mitarbeitenden länger. Zu diesem Befund kommt eine neue Studie aus dem Kanton Zürich, die den Zusammenhang zwischen Geschlechterverteilung und wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit von KMU in technischen Branchen untersucht hat. Die Studie behauptet zwar keine Kausalität, doch das Signal ist deutlich: Vielfalt macht sich bezahlt.

 

Die Untersuchung wurde im Auftrag der Fachstelle Gleichstellung des Kantons Zürich und der Müller-Möhl-Foundation durchgeführt und basiert auf einer Befragung von 2032 kleinen und mittleren Unternehmen im Kanton Zürich. Die Umfrage wurde auch unter den Mitgliedern von Swiss Engineering verteilt. Die Antworten wurden gesondert ausgewertet und mit den übrigen Antworten verglichen.

 

Erhoben wurden betriebswirtschaftliche Kennzahlen wie EBIT-Marge, Cashflow und Produktivität sowie personalbezogene Grössen wie Fluktuation, Rekrutierungsdauer und durchschnittliche Betriebszugehörigkeit. Diese Kennzahlen wurden mit der Geschlechterverteilung in Verwaltungsrat, Geschäftsleitung und Belegschaft in Beziehung gesetzt.

Bessere Zahlen mit ausgewogenen Teams

Das zentrale Ergebnis der Studie lässt sich einfach zusammenfassen: KMU mit einer ausgewogenen Geschlechterverteilung schneiden im Durchschnitt besser ab als Unternehmen mit einseitigen Strukturen. Besonders deutlich zeigt sich dies bei der Profitabilität. Unternehmen mit ausgewogener Führung erzielen im Mittel eine um rund 1,8 Prozentpunkte höhere EBIT-Marge als jene mit geringer Geschlechterdiversität.

 

Auch die langfristige Entwicklung spricht für Unternehmen mit ausgewogener Geschlechterverteilung. Während diese KMU ihre Liquidität seit 2014 im Durchschnitt um 29 Prozent steigern konnten, lag der Zuwachs bei Unternehmen mit unausgewogenen Strukturen bei rund 11 Prozent. Ähnlich fällt der Befund bei der Produktivität aus: Der Umsatz pro Vollzeitäquivalent entwickelte sich in ausgewogen geführten Unternehmen deutlich dynamischer.

 

Neben den harten finanziellen Kennzahlen zeigen sich auch Vorteile im Personalbereich. Unternehmen mit ausgewogener Geschlechterverteilung weisen niedrigere Fluktuationsraten auf, ihre Mitarbeitenden bleiben im Schnitt mehrere Jahre länger im Unternehmen, und offene Stellen können schneller besetzt werden. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels ist dies ein nicht zu unterschätzender Wettbewerbsvorteil.

Keine Kausalität aber ein konsistentes Muster

Die Studienautorinnen und -autoren betonen, dass es sich um Korrelationen handelt. Die Daten erlauben keine Aussage darüber, ob der höhere Frauenanteil den wirtschaftlichen Erfolg verursacht oder ob wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen eher in der Lage sind, vielfältige Teams aufzubauen. Dennoch zieht sich das Muster konsistent durch alle untersuchten Kennzahlen: Ausgewogenere Strukturen gehen mit besseren Ergebnissen einher.

 

Interessant ist auch, dass sich die positiven Effekte nicht nur auf die oberste Führungsebene beschränken. Sowohl eine ausgewogene Zusammensetzung von Verwaltungsrat und Geschäftsleitung als auch ein höherer Frauenanteil in der gesamten Belegschaft stehen mit besseren Kennzahlen in Zusammenhang. Vielfalt wirkt demnach nicht nur im Top-Management, sondern im gesamten Unternehmen.

Was Swiss-Engineering-Mitglieder antworteten

Aufschlussreich ist die gesonderte Auswertung der Antworten von Swiss-Engineering-Mitgliedern, die über die Unternehmen Auskunft geben, in denen sie tätig sind. Diese Sonderauswertung zeigt ein eigenständiges Profil. Die von Swiss-Engineering-Mitgliedern beschriebenen Unternehmen sind in der Regel stark technikorientiert, hoch spezialisiert und wissensintensiv. Entsprechend hoch ist die Mitarbeiterbindung: Die durchschnittliche Betriebszugehörigkeit liegt bei rund zwölf Jahren und damit deutlich über dem KMU-Durchschnitt von etwa acht Jahren. Auch die Fluktuation ist geringer.

 

Trotz anhaltendem Fachkräftemangel schneiden diese Unternehmen bei der Rekrutierung gut ab. Rund die Hälfte der offenen Stellen kann innerhalb von sechs Monaten besetzt werden – im KMU-Durchschnitt sind es deutlich weniger. Das spricht für attraktive Arbeitsplätze, anspruchsvolle Tätigkeiten und eine hohe Identifikation der Mitarbeitenden mit ihrem Unternehmen.

 

Bei den finanziellen Kennzahlen zeigt sich ein differenzierteres Bild. Die Produktivität, gemessen am Umsatz pro Vollzeitäquivalent, liegt bei den von Swiss-Engineering-Mitgliedern beschriebenen Unternehmen leicht unter dem Durchschnitt der Gesamtstichprobe. Auch bei EBIT-Marge und Cashflow bewegen sich die Werte eher im Mittelfeld.

Weniger Frauen – schlechtere Zahlen

Die Studie führt dies nicht auf mangelnde Leistungsfähigkeit zurück, sondern auf strukturelle Besonderheiten technischer KMU: projektbasierte Geschäftsmodelle, hoher Anteil hoch qualifizierter Fachkräfte, begrenzte Skaleneffekte und entsprechend hohe Personalkosten. Viele dieser Unternehmen sind technologisch führend in ihren Nischen, wirtschaftlich jedoch weniger standardisiert als etwa Dienstleistungsbetriebe.

 

Markant – und wenig überraschend – sind die Unterschiede bei der Geschlechterverteilung. In den von Swiss-Engineering-Mitgliedern beschriebenen Unternehmen ist der Frauenanteil deutlich niedriger als im Durchschnitt aller befragten KMU. In der Geschäftsleitung liegt er bei rund fünf Prozent, im Verwaltungsrat bei etwa zehn Prozent, in der Belegschaft bei rund 15 Prozent.

 

Auch gleichstellungsorientierte Massnahmen sind weniger verbreitet. Mentoring-Programme, formalisierte Förderstrategien oder institutionalisierte Gleichstellungsrichtlinien kommen seltener vor als im KMU-Durchschnitt. Die Studie interpretiert dies weniger als bewusste Zurückhaltung, sondern als Folge historisch gewachsener Strukturen, eines engen Fachkräftepools und klassischer Karrierepfade in technischen Berufen.

 

Die Ergebnisse dieses Vergleichs sind allerdings mit Vorsicht zu geniessen: Die Studie bezieht sich zwar auf den MINT-Sektor, verwendet dabei aber eine Zuordnung anhand der Systematik des Bundesamts für Statistik – die sogenannten NOGA-Codes. Dadurch finden sich in der Stichprobe auch Unternehmen, die nur am Rand – oder gar nicht – dem klassischen Verständnis technologie- oder ingenieurgetriebener Betriebe entsprechen.

Zürich 18.02.2026
Beitrag von: Hendrik Thielemann
Bildquelle: Istockphoto

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