Terahertz-Strahlung: Wie Satelliten besser kommunizieren
Terahertz-Strahlung ist ein bisher kaum genutzter, aber vielversprechender Bereich des elektromagnetischen Spektrums. Die Empa-Forschenden Elena Mavrona und Erwin Hack wollen diese «Terahertz-Lücke» schliessen. Mit ihrem Spin-off «Lepto» stellen sie Filter und andere Geräte für Terahertz-Strahlung her und erschliessen damit Anwendungen im Weltraum und auf der Erde.
Die hauchdünne Folie spannt sich über ein ringförmiges Kunststoffgerüst. Je nach Blickwinkel erscheint sie mal beinahe transparent, mal schimmert sie in Gold, Rot, Grün. Verantwortlich für dieses Farbenspiel ist die metallische Mikrostruktur der Folienoberfläche: hochpräzise mikroskopische Muster aus reinem Gold. Die Folie ist kein Deko-Objekt, sondern ein High-Tech-Filter für Terahertz-Strahlung, und das erste Produkt des Empa-Spin-offs Lepto GmbH.
Lepto, griechisch für «dünn», ist ein passender Name, denn der Filter ist gerade einen Mikrometer – einen Tausendstel eines Millimeters – dick. Gegründet wurde die Firma im April 2025 in Dübendorf von den Empa-Forschenden Elena Mavrona und Erwin Hack. «Mit Wellenlängen zwischen 0,3 und 3 Millimeter befindet sich die Terahertz-Strahlung an der Grenze zwischen Optik und Elektronik», erklärt Elena Mavrona, CEO von Lepto. Im elektromagnetischen Spektrum liegt der Terahertz-Bereich zwischen den kurzwelligen Licht- und Infrarotwellen und den längeren Mikro- oder Gigahertz-Wellen, die wir für den Grossteil unserer drahtlosen Kommunikationstechnologien verwenden, von Bluetooth bis WLAN.
Die Lücke schliessen
Verglichen mit seinen spektralen «Nachbarn» war der Terahertz-Bereich lange kaum erforscht; die Technologien, um Terahertz-Strahlung zu erzeugen und zu messen, waren dünn gesät. Erst in den letzten 30 Jahren beginnt sich diese Terahertz-Lücke zu schliessen. Denn Terahertz-Strahlung verspricht vielseitige Anwendungen in der Medizin, Kommunikation und Materialforschung. Genau solche Anwendungen will Lepto mit seinen Produkten ermöglichen: Komponenten für das Ausstrahlen und Detektieren von Terahertz-Strahlen.
Entstanden ist das Spin-off aus einem Forschungsprojekt, in dem es Hack, Mavrona und ihren Mitarbeitenden gelang, eine besonders dünne Struktur für hochwirksame Terahertz-Filter zu entwickeln. Sie meldeten die Technologie zum Patent an. «Eigentlich hatten wir nie vor, eine Firma zu gründen», schmunzelt Erwin Hack, CTO von Lepto. «Aber wir hatten viele Anfragen aus anderen Forschungsinstitutionen, und sie waren mit der Leistung unserer Filter sehr zufrieden. Da wurde uns klar, dass es einen Markt gibt.»
Die Filter sind indes nur der Anfang. «Wir arbeiten auch an weiteren Komponenten für Terahertz-Strahlung, etwa Polarisatoren», sagt Mavrona. Die Lepto-Produkte unterscheiden sich von der Konkurrenz vor allem durch ihre geringe Dicke: Die Polymerfolie, die als Substrat für die Gold-Mikrostruktur dient, ist dünn und für alle Bereiche des elektromagnetischen Spektrums hochtransparent. Das macht die Filter besonders effektiv – und leicht und platzsparend.
Von Satelliten zu Spitälern
Aus diesem Grund sehen die Spin-off-Gründer einen wichtigen Markt für ihre Produkte in der Raumfahrt. Dort spielt das Gewicht der Komponenten eine Schlüsselrolle und Terahertz-Strahlen finden gleich mehrere Anwendungsbereiche. «Einerseits ist Terahertz-Spektroskopie eine ausgezeichnete Methode, um viele Phänomene in der Astro- und Geophysik zu erforschen», führt Mavrona aus. «Andererseits eignet sich Terahertz aber auch hervorragend für die Kommunikation zwischen Satelliten, sowie zwischen einem Satelliten und der Erde.» Die höhere Frequenz der Terahertz-Strahlung im Vergleich zu den konventionellen Kommunikationstechnologien ermöglicht gemäss Hack eine schnellere Datenübertragung. Dadurch, dass die Strahlung kürzere Wellenlängen hat als ihr «grosser Bruder» Gigahertz, reicht sie nicht ganz so weit – ein Vorteil, der Terahertz-basierte Kommunikationstechnologien sicherer macht.
Der Weltraum ist nicht der einzige Anwendungsbereich für Terahertz-Strahlung und für die Komponenten von Lepto. In der Atmosphäre wird die Strahlung zwar schnell gestreut und reicht nur über kurze Distanzen. Dennoch gilt sie als eine der Schlüsseltechnologien für 6G, den nächsten Standard für Mobilfunk, der noch schneller und energieeffizienter werden soll als der gängige 5G-Standard.
Auch in der Medizin besteht viel Potenzial für Terahertz-Wellen, die oberflächliche Gewebeschichten durchdringen können. Ähnlich wie ihre Nachbarn im elektromagnetischen Spektrum ist Terahertz nicht-ionisierend und somit weniger schädlich als Röntgenstrahlung. Es wird vor allem für Anwendungen auf der Haut entwickelt, etwa zur Krebsdiagnose oder zur Untersuchung von oberflächlichen Blutgefässen oder Wunden. Weitere Anwendungen gibt es im Bereich der Sicherheit, etwa bei den Bodyscans am Flughafen.
Zurzeit kommt die Nachfrage nach den Terahertz-Filtern und -Polarisatoren von Lepto hauptsächlich aus der Forschung. Nebst den Anwendungen in der Spektroskopie zur Untersuchung von Materialien wird auch an Terahertz-basierten Quantencomputern geforscht. «Unsere Filter sind sehr dünn, und die Rahmen dafür fertigen wir nach Mass mittels 3D-Druck», erklärt Mavrona. Das erlaubt dem jungen Unternehmen, komplexe aber zugleich kompakte Filtersysteme genau nach Kundenwunsch anzufertigen. «Wir freuen uns, unsere Produkte bald auf den Markt bringen zu können», so die beiden Gründer.
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Beitrag von: Anna Ettlin
Bildquelle: Empa