Weniger CO₂ im Bausektor ohne neue Technik
Eine deutliche Reduktion der CO₂-Emissionen im Bausektor ist bis 2050 technisch möglich – und zwar mit bereits verfügbaren Technologien. Zu diesem Schluss kommt eine internationale Studie unter Beteiligung der École polytechnique fédérale de Lausanne (EPFL), die in Nature Communications veröffentlicht wurde.
Der Hintergrund: Die Herstellung von Baustoffen wie Zement und Stahl verursacht heute bis zu 17 Prozent der globalen CO₂-Emissionen. Gleichzeitig wird erwartet, dass der Bedarf an Wohnraum und Infrastruktur – insbesondere in Schwellen- und Entwicklungsländern – weiter stark wächst.
Das Forschungsteam, darunter das Laboratory of Construction Materials (LMC) der EPFL, analysierte historische Bau- und Wachstumsdaten sowie Prognosen für künftige Infrastrukturbedarfe. Demnach steigt der Materialverbrauch in der Entwicklungsphase von Volkswirtschaften zunächst stark an, stabilisiert sich jedoch später. Entscheidend sei daher, wie Materialien in dieser Wachstumsphase produziert, eingesetzt und recycelt werden, erklärt Karen Scrivener, Leiterin des LMC.
Laut Studie könnten bestehende Ansätze die Emissionen aus Zement und Stahl um rund 73 Prozent senken. Dazu zählen materialeffizienteres Design, optimierte Betonrezepturen, verstärktes Recycling sowie der Ersatz des besonders emissionsintensiven Zementbestandteils Klinker.
Vollständige Klimaneutralität erfordert jedoch zusätzliche Technologien wie CO₂-Abscheidung sowie angepasste regulatorische Rahmenbedingungen, betont EPFL-Forscher Alastair Marsh.
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