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Neue Materialien für die Elektrolyse: Grünen Wasserstoff günstiger herstellen

Grüner Wasserstoff – mit erneuerbarer Energie aus Wasser hergestellt – ist ein wichtiger nachhaltiger Treibstoff und Energiespeicher. Seine industrielle Herstellung ist allerdings deutlich teurer als die konventionelle Gewinnung von Wasserstoff aus fossilen Quellen. Empa-Forschende entwickeln mit ihren Partnern Materialien für die Wasserelektrolyse, die leistungsfähiger, günstiger und industriell skalierbar sind.

Empa-Forscher Konstantin Egorov will die Herstellung von grünem Wasserstoff wirtschaftlicher machen. | © Empa
Empa-Forscher Konstantin Egorov will die Herstellung von grünem Wasserstoff wirtschaftlicher machen.

Wasserstoff kann fossile Brennstoffe ersetzen und ist somit ein wichtiger Pfeiler der Energiewende. Die Idee ist simpel: Strom aus erneuerbaren Quellen plus Wasser ergibt Wasserstoff und Sauerstoff. Verbrennt man den Wasserstoff, so reagiert er mit atmosphärischem Sauerstoff wieder zu Wasser und der Kreis schliesst sich – ganz ohne Treibhausgasemissionen.

 

So zumindest der Idealfall. In der Realität hat die Herstellung von «grünem» Wasserstoff mittels Elektrolyse starke Konkurrenz. Über 90 Prozent des Wasserstoffs wird heute aus fossilen Quellen gewonnen, überwiegend aus Erdgas. Der Hauptgrund: Der nachhaltigere Wasserstoff aus der Elektrolyse ist rund doppelt so teuer in der Herstellung.

 

In einem vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und der französischen «Agence Nationale de la Recherche» (ANR) unterstützten Projekt wollen Empa-Forschende aus dem Labor «Materials for Energy Conversion» nun Abhilfe schaffen. Ein wesentlicher Kostentreiber sind dabei die Materialien der Elektrolyseure. Gemeinsam mit den französischen Instituten «Institut de la Corrosion» in Brest und «LEMTA» in Nancy arbeiten sie an günstigeren Alternativen für zwei Schlüsselkomponenten.

Keine Angst vor Korrosion

Im Visier der Forschenden steht die sogenannte «Polymer Electrolyte Membrane Water Electrolysis»-Technologie, kurz PEMWE. PEMWE-Elektrolyseure sind effizient und vertragen die Energieschwankungen, die aus erneuerbaren Quellen zu erwarten sind. Die Umgebung im Elektrolyseur ist allerdings hochkorrosiv. In der zentralen Kammer löst sich Stahl schlichtweg auf «wie Zucker in einer Tasse Tee», so Empa-Forscher Konstantin Egorov. Selbst Komponenten, die nicht mit dem hochsauren Milieu in Kontakt kommen, korrodieren. Und schon geringste Mengen gelöster Metalle im hochreinen Zulaufwasser mindern Leistung und Lebensdauer des Geräts.

 

Die Bauteile für die Zu- und Ableitung von Wasser und Gasen innerhalb des Elektrolyseurs bestehen deshalb aus Titan, das sowohl teuer als auch schwierig zu verarbeiten ist. Selbst das ist nicht genug: Damit das Titan nicht oxidiert und die Wirksamkeit des Elektrolyseurs beeinträchtigt, müssen die Bauteile noch mit dem Edelmetall Platin beschichtet werden, was die Kosten weiter in die Höhe treibt.

 

Materialwissenschaftler Egorov sucht deshalb nach einem Ersatz für das teure Platin, der die Korrosionsbeständigkeit erhält. Fündig wurde er bei einer besonderen Form des Titanoxids, dem sogenannten hochkristallinen sauerstoffarmen Rutil. Bei diesem Oxid fehlen an bestimmten Stellen Sauerstoffatome, was dem Material gute elektrische Leitfähigkeit verleiht, während seine Hochkristallinität für Korrosionsbeständigkeit sorgt – genau die richtigen Voraussetzungen für die PEMWE-Elektrolyse. Das Trägermaterial Titan ersetzen die Forschenden durch Stahl. «Stahl ist nicht nur günstiger, sondern auch viel einfacher zu verarbeiten. Das ermöglicht neue, fortschrittliche Komponentendesigns, die die Effizienz der Zelle steigern», erklärt Egorov. Dank der robusten Beschichtung soll die korrosive Umgebung dem Material nichts mehr anhaben können.

Die Umsetzung in der Industrie gleich mitgedacht

Die ersten Ergebnisse bestätigen die hohe Korrosionsbeständigkeit der innovativen Beschichtung. «Wir konnten eine Methode entwickeln, um die erste Komponente des PEMWE-Elektrolyseurs, die sogenannte bipolare Platte, erfolgreich mit Titanoxid zu beschichten», sagt Egorov. Die dafür verwendete Methode heisst physikalische Gasphasenabscheidung (engl. «physical vapour deposition» oder PVD) und ist in der Industrie weit verbreitet. «Es ist uns wichtig, etwas zu entwickeln, was die Industrie tatsächlich gebrauchen kann», betont der Forscher.

 

Die Komponenten, die Egorov an der Empa herstellt, unterziehen seine Partner gründlichen Korrosionstests, zunächst unter Laborbedingungen, dann in einem funktionierenden Elektrolyseur. Die bipolare Platte hat die Tests bereits erfolgreich überstanden. Als nächstes wollen die Forschenden eine weitere Schlüsselkomponente mit Titanoxid beschichten, die sogenannte poröse Transportschicht.

 

«Die Beschichtung von porösen Materialien birgt viele Herausforderungen», weiss Egorov. Die Poren müssen gleichmässig beschichtet werden, damit das darunterliegende Material nicht korrodiert – zugleich dürfen sie aber nicht verstopfen. Egorov ist jedoch zuversichtlich, dass dies machbar ist. Das Projekt läuft noch bis 2026. Danach hoffen die Empa-Forschenden, einen Industriepartner zu finden, um die Technologie zur Marktreife zu bringen.

Zürich 24.06.2026
Beitrag von: Anna, Ettlin Empa
Bildquelle: Empa

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