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Ein Besuch im ETH Hangar

Lesen Sie diesen Artikel auch im E-Paper der Technischen Rundschau: Technische Rundschau 5/2026 

Die Infrastruktur im Hangar ermöglicht es den Studierenden, sich auf die Entwicklung der Prototypen zu konzentrieren. Im Hangar herrscht eine konzentrierte, aber dennoch lockere Arbeitsatmosphäre. Ein Fahrzeug des AMZ (Akademischer Motorsportverein Zürich) steht aufgebockt in der Halle. Während ein Student kontrolliert, ob alle Schrauben immer noch angezogen sind, passt ein anderer Student die Parameter für den nächsten Testlauf an. Etwas weiter hinten hört man einen Prüfstand, auf dem die aktuellen Motoren getestet werden. Direkt vor dem Hangartor ist eine Teststrecke aufgebaut.

 

Für mich ist diese Szene altbekannt und doch neu. 2018 war ich selbst beim AMZ, damals noch im Technopark. Die Infrastruktur war funktional, aber begrenzt. Für eine Testfahrt fuhren wir jeweils etliche Kilometer nach Dübendorf, Weinfelden oder sogar Alpnach. Der Platz war eher begrenzt, also mussten wir den Akku und die Hochspannungselektronik dort zerlegen, wo eine Stunde zuvor noch gedreht und gebohrt worden war. Der Unterschied zur heutigen Umgebung ist deutlich. Der Hangar bietet definierte Elektronikzonen, eine gut ausgerüstete Werkstatt, einen eigenen Autoklaven und vieles mehr – natürlich geteilt mit allen Projekten im ETH Hangar.

Das ETH-Testgelände in Dübendorf

Das Gelände ist darauf ausgelegt, Prototypen unter kontrollierten Bedingungen zu testen. Die Kombination aus Indoor- und Outdoorflächen, Werkstätten sowie Büro- und Laborräumen an einem Ort ermöglicht rasche Iterationszyklen. Für Projekte, die innerhalb eines Jahres ein komplettes System entwickeln müssen, ist das entscheidend. Ein Antrieb, der im Labor stabil läuft, verhält sich unter Last oder im realen Einsatz oft anders. Solche Effekte lassen sich nur erkennen und beheben, wenn rasch Änderungen vorgenommen werden können. Der ETH Hangar ermöglicht es den Projektteams, direkt auf dem Gelände Versuche durchzuführen, die früher weit weg von der Werkstatt gemacht wurden. Neben der Teststrecke für bodengebundene Fahrzeuge gibt es auch einen Prüfstand für Flugzeugrotoren sowie eine Teststrecke von Swissloop.

AMZ, Aris (Akademische Raumfahrtinitiative Schweiz) und Swissloop sind einjährige Vollzeitprojekte, die offiziell ins Studium integriert sind. Ein Fokusprojekt wird mit 20 ECTS-Punkten bewertet, was etwa 20 Semesterstunden entspricht. In der Praxis geht der Aufwand weit darüber hinaus. Viele Teams arbeiten abends und an Wochenenden weiter, um die hoch gesteckten Ziele zu erreichen. Die Studierenden übernehmen Aufgaben, die in der Industrie typischerweise von spezialisierten Teams erledigt werden. Sie bilden beinahe den kompletten Entwicklungszyklus eines Produktes ab – von der Konzeptphase über Systemdesign, Simulation, Fertigung und Testplanung bis hin zum Einsatz in Wettbewerben oder realen Anwendungen. Fehler in der Auslegung oder unzureichende Tests können den Erfolg des gesamten Teams gefährden, entsprechend hoch ist der Anspruch an die einzelnen Teilnehmenden.

AMZ – elektrische Antriebe und Fahrdynamik

Der AMZ entwickelt seit 2006 Rennfahrzeuge für die Formula Student. Seit der Einführung der elektrisch angetriebenen Klasse im Jahr 2010 mischt das Team bei allen Wettbewerben vorne mit. Jedes Jahr wird ein neues Fahrzeug von Grund auf entwickelt und gebaut. Neben der Entwicklung nimmt insbesondere die Fertigung der Kohlefaserkomponenten wie Monocoque und aerodynamische Anbauteile viel Zeit in Anspruch. Die Möglichkeit, einen Autoklaven direkt im ETH Hangar zu nutzen, erleichtert diese Arbeiten erheblich. Seit der Einführung einer vollständig autonomen Klasse im Jahr 2017 ist der Bedarf an effizienter Testzeit massiv gestiegen. Die Möglichkeit, direkt vor dem Hangar zu testen, ist dafür zentral.

Aris – Raketenentwicklung und Avionik

Aris entwickelt seit 2017 Raketen für internationale Studierendenwettbewerbe. Jedes Jahr konstruiert das Team ein neues Fluggerät mit verschiedensten Komponenten. Das aktuelle Projekt „Asteria“ zeigt deutlich das hohe technische Niveau der Studierenden. Neben einem fortschrittlichen Zweistofftriebwerk verfügt die Rakete über ein gesteuertes Bergungssystem, das Landungen innerhalb weniger Meter ermöglicht. Dadurch kann das System in kurzer Zeit erneut gestartet werden. Ziel ist es, als erstes Team an der European Rocketry Challenge eine Höhe von 9 km zu erreichen.

 

Inzwischen hat Aris sein Tätigkeitsfeld erweitert und baut neben Raketen auch Satelliten und autonome Erkundungsroboter. Mit dem Projekt „Nautilus“ wird ein Unterwassergleiter entwickelt, der kritische Daten unter dem Eis der Polkappen sammeln soll. Das Projekt „Sage“ untersucht die Alterung menschlicher Zellen bei reduzierter Erdanziehung mittels CubeSat-Plattform, die einen kosteneffizienten Transport in den Orbit erlaubt. 2024 testete Aris mit dem Projekt „Perseus“ erstmals in der Schweiz erfolgreich eine Rotating Detonation Rocket Engine. Die Tests bestätigten stabile Detonationswellen und damit die Funktionsfähigkeit des Triebwerks, an dem elf Studierende über sechs Monate gearbeitet hatten. Mit dem Folgeprojekt „Pegasus“ wird die Technologie weiterentwickelt und in eine Höhenforschungsrakete integriert.

Swissloop – Linearmotoren und Magnetschwebetechnik

Swissloop entwickelt seit 2017 Prototypen für Hochgeschwindigkeits-Transportsysteme. Der Einstieg erfolgte über die Hyperloop Pod Competition, bei der das Schweizer Team auf Anhieb den dritten Platz belegte. Durch kontinuierliche Innovation etablierte sich Swissloop rasch in der Hyperloop-Community. Während der erste Pod noch mit einem raketenähnlichen Gasantrieb betrieben wurde, kam bereits beim dritten Pod ein Linearmotor zum Einsatz. Dies ermöglichte 2021 den Schritt zu einem vollständig schwebenden Pod. Der neueste Pod „Marcel Hug“ ist vakuumtauglich und bietet Platz für eine Person in einer Druckkammer bei 0,8 bar mit aktiver Sauerstoffregelung. Zusätzlich nutzt das System regeneratives Bremsen zur Effizienzsteigerung.

Vorteil für die Industrie

Trotz unterschiedlicher Anwendungen stehen alle drei Projekte vor ähnlichen Herausforderungen. Neben der Technik werden auch Soft Skills wie Projektmanagement, Verhandlungsgeschick und Systemverständnis gefordert – Kompetenzen, die in der Industrie zunehmend gefragt sind. Am Dienstag, 12. Mai 2026, organisiert die Fachgruppe Elektrotechnik (FAEL) einen Besuch bei diesen drei Teams. Dabei erhalten die Teilnehmenden Einblicke in die Werkstätten, aktuelle Projekte und den Nutzen der Infrastruktur im ETH Hangar.

Zürich 01.05.2026
Beitrag von: Andreas Horat
Bildquelle: ETH

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