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Die EPHJ bringt Hochpräzision ins Weltall

Auf der Genfer Messe im Palexpo wird deutlich, dass auch in den anspruchsvollsten Weltraumanwendungen Know-how aus den Bereichen Uhrmacherei, Mikrotechnik und Medizin zum Einsatz kommt.

Auf der EPHJ treffen uhrmacherisches, mikrotechnisches und industrielles Know-how aufeinander – bis hin zu Anwendungen in der Raumfahrt. | © rke
Auf der EPHJ treffen uhrmacherisches, mikrotechnisches und industrielles Know-how aufeinander – bis hin zu Anwendungen in der Raumfahrt.

Vom 16. bis 19. Juni bringt die EPHJ im Palexpo Genf die Akteure der Hochpräzisionsbranche zusammen. Uhren- und Schmuckindustrie, Mikrotechnik, Medizintechnik, Luft- und Raumfahrt oder kritische Anwendungen: Die Messe bestätigt Jahr für Jahr ihre Rolle als branchenübergreifende Plattform, auf der Kompetenzen von einem Sektor zum anderen weitergegeben werden. Die letzte Ausgabe zog laut Angaben der EPHJ mehr als 760 Aussteller aus 11 Ländern und rund 23’000 Fachbesucher aus allen fünf Kontinenten an.

 

Doch jenseits der Statistiken ist es vor allem der Geist der Messe, der die Aufmerksamkeit auf sich zieht. In Genf sind die Teile nicht nur klein, poliert oder auf den Mikrometer genau gefertigt. Sie werden zu Lösungen, die zwar manchmal unsichtbar, aber für weitaus grössere Systeme unverzichtbar sind. Eine Uhr, ein Implantat, ein medizinisches Instrument, ein Satellit oder ein Teleskop haben alle denselben Anspruch: langfristige Zuverlässigkeit mit Toleranzen, die kaum Abweichungen zulassen.

Von der Uhrenindustrie bis zu Teleskopen

Diese Synergien zwischen den verschiedenen Bereichen zeigen sich bei MPS Microsystems ganz deutlich. Das 1936 gegründete Unternehmen entwickelte sich zunächst im Bereich der Wälzlager, bevor es seine Kompetenzen auf Kugelumlaufspindeln, motorisierte Systeme und Komponenten ausweitete, die insbesondere in der Medizin, der Sicherheitstechnik und der Astrophysik zum Einsatz kommen. In letzterem Bereich entwickelt MPS Faserpositionierer, die in Teleskopen eingesetzt werden, und dort dazu beitragen, die Expansion des Universums zu erforschen.

 

Das Prinzip veranschaulicht auf perfekte Weise den Übergang von der terrestrischen Mikropräzision zu den grossen kosmischen Fragen. Um das Licht eines Himmelsobjekts, manchmal einer ganzen Galaxie, zu analysieren, muss eine Glasfaser mit äusserster Präzision auf ein Ziel gerichtet werden. Die von MPS entwickelten Geräte ermöglichen es, diese Beobachtungen zu automatisieren und das Ziel nach jeder Erfassung zu wechseln. Laut EPHJ wurde diese Mechanik in Zusammenarbeit mit der EPFL entwickelt. Der Nutzen liegt nicht nur in der technischen Leistungsfähigkeit, sondern auch im Wissenstransfer. MPS nennt als Beispiel die Arbeit an Titan für medizinische Anwendungen, die später in der Uhrenindustrie wiederverwendet wurde, oder Befestigungssysteme, die für aktive Implantate entwickelt und in astrophysikalischen Anwendungen übernommen wurden.

Kritische Oberflächen und Titan in der Luft- und Raumfahrt

Ein anderes Beispiel ist die im September 2025 gegründete Horatec-Gruppe, die drei Schweizer Unternehmen vereint, die in den Bereichen Oberflächenbehandlung, komplexe Metallbearbeitung und hochpräzise Mikromechanik tätig sind. Unter ihnen richten sich die Steiger Galvanotechnique SA und die Titanium Engineering SA insbesondere an die Bereiche Raumfahrt, Luftfahrt und Verteidigung, in denen Rückverfolgbarkeit, Reproduzierbarkeit und Widerstandsfähigkeit in extremen Umgebungen unerlässlich sind.

 

Die in Châtel-Saint-Denis ansässige Steiger Galvanotechnique entwickelt Oberflächenbehandlungen für Aluminium, Nickel und Speziallegierungen. Für die Raumfahrt bearbeitet das Unternehmen Aluminiumteile, die in Satelliten verbaut werden, mit Behandlungen zur Emissionsminderung, die zur Wärmeregulierung im Weltraumvakuum beitragen.

 

Titanium Engineering in Yverdon-les-Bains wiederum verarbeitet Titan, von der Präzisionsbearbeitung bis hin zu elektrochemischen Behandlungen wie Polieren, Passivieren oder Eloxieren. Dank seines Verhältnisses von Gewicht zu Festigkeit und seiner Beständigkeit unter rauen Bedingungen ist dieses Material für Anwendungen in der Luft- und Raumfahrt prädestiniert. Auch hier handelt es sich bei den Bereichen Mikrotechnik, Medizin, Luft- und Raumfahrt weniger um eine Diversifizierung als vielmehr um eine industrielle Fortführung.

Irdische Präzision mit Weltraum-Ambitionen

Diese beiden Beispiele zeigen, dass sich die Schweizer Weltraumindustrie nicht auf Raketen, Astronauten oder grosse Satelliten konzentriert. Sie stützt sich auch auf eine Vielzahl von Unternehmen, die in der Lage sind, Komponenten herzustellen, zu bearbeiten, zu montieren und zu prüfen, deren Präzision über den Erfolg eines gesamten Systems entscheidet. Genau diese Kultur der Detailgenauigkeit, die zum Teil aus der Uhrmacherkunst stammt und durch die Mikrotechnik verstärkt wird, macht die Stärke vieler Schweizer Akteure aus. 

 

www.ephj.ch

Zürich 27.05.2026
Beitrag von: Roland J. Keller
Bildquelle: rke

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