Zulieferer – das heimliche Rückgrat der Uhrenindustrie
Hinter den grossen Marken, die in den internationalen Schaufenstern dominieren, stützt sich die Schweizer Uhrenindustrie auf ein dichtes Netz industrieller Zulieferbetriebe, das weitgehend im Jurabogen konzentriert ist. Drehteilhersteller, Spezialisten für Präzisionsbearbeitung, Hersteller von Komponenten oder Werkzeugen: Diese KMU bilden die eigentliche technische Infrastruktur der Branche.
Eine mechanische Uhr kann Dutzende von Bauteilen von unterschiedlichen Lieferanten enthalten. Schrauben, Achsen, Zahnräder, Uhrwerkkomponenten oder Gehäuseteile werden oft von spezialisierten Unternehmen gefertigt. Einige von ihnen beschäftigen nur ein paar Dutzend Mitarbeiter, beherrschen aber extrem präzise Fertigungsprozesse. Diese vernetzte industrielle Organisation ermöglicht es den grossen Marken, sich auf ein sehr reaktionsschnelles Ökosystem zu stützen, das in der Lage ist, Bauteile in kleinen Serien mit mikrometergenauen Toleranzen herzustellen.
In dieser Wertschöpfungskette spielen Unternehmen aus den Bereichen Décolletage und Mikromechanik eine zentrale Rolle. Ihr Know-how – vom Drehen von Mikroteilen über die Bearbeitung spezieller Metalle bis hin zu Oberflächenbehandlungen oder der Herstellung von Werkzeugen – bildet eine der technischen Grundlagen der Schweizer Uhrenindustrie. Viele dieser Unternehmen sind im Berner Jura, im Kanton Jura, im Kanton Neuenburg oder im Vallée de Joux angesiedelt.
Abhängigkeit und Preisdruck
Die Abhängigkeit von der Uhrenindustrie stellt jedoch eine Herausforderung dar, wenn sich der Markt abkühlt. Schwankungen bei den Exporten wirken sich unmittelbar auf die Auftragsbücher der Zulieferer aus. Die KMU müssen dann mit Anpassungen bei den Produktionsvolumen, zunehmendem Preisdruck und teilweise abrupten Veränderungen der Nachfrage umgehen.
Um diese Schwankungen abzufedern, entwickeln die Firmen verschiedene Strategien. Einige Unternehmen investieren in präzisere Maschinen oder automatisierte Verfahren. Andere diversifizieren ihre Aktivitäten in Bereiche wie Medizintechnik, Luftfahrt oder wissenschaftliche Instrumentierung – Branchen, die ähnliche mikromechanische Kompetenzen erfordern. Zudem entstehen vermehrt industrielle Zusammenschlüsse, um kritische Unternehmensgrössen zu erreichen und die Investitionsfähigkeit zu stärken.
In diesem Kontext spielt die Messe SIAMS in Moutier eine zentrale Rolle. Im Gegensatz zu grossen Uhrenmessen, die sich auf Marken und Endprodukte konzentrieren, steht die SIAMS im Zentrum des industriellen Ökosystems. Aussteller präsentieren dort Werkzeugmaschinen, Bearbeitungslösungen, Produktionssoftware oder neue Verfahren für die Fertigung von Mikroteilen.
Für viele Zulieferunternehmen im Jurabogen ist dieser Anlass ein wichtiger Termin, um Innovationen zu entdecken, neue Industriepartner zu treffen und Märkte ausserhalb der Uhrenindustrie zu erschliessen. In einer Phase der Abschwächung könnte diese Fähigkeit zur Anpassung und Diversifizierung zu einer der wichtigsten Stärken der Schweizer Mikrotechnik werden.
SIAMS Moutier: 21.–24. April
Beitrag von: Roland J. Keller
Bildquelle: SIAMS