Navigation überspringen

Kühlschmierstoffe für eine sauberere sicherere und wirtschaftlichere Bearbeitung

Kühlschmierstoffe und Schneidöle sind heute entscheidend für Produktivität, Oberflächenqualität und Umweltverträglichkeit in der Zerspanung.

Erläuterungen von Charles Krebs, Direktor der Geiger AG in Brügg. | © Roland J. Keller
Erläuterungen von Charles Krebs, Direktor der Geiger AG in Brügg.

Die ersten Bearbeitungswerkstätten arbeiteten mit reichlich Kühlschmierstoffen auf Basis von Mineralölen, die oft mit Schwefel- oder Chloradditiven angereichert waren. Die Schmierfähigkeit und der Schutz der Werkzeuge standen im Vordergrund, häufig zulasten der Sauberkeit der Maschinen, des Ölnebels und der Gesundheit der Mitarbeiter.

 

Seit etwa zwanzig Jahren haben die Verbreitung von Hochgeschwindigkeitsbearbeitungszentren, das Aufkommen schwer zu bearbeitender Werkstoffe (Luftfahrtlegierungen, Edelstähle, Titan) und die steigenden Umwelt- und Sicherheitsanforderungen die Karten neu gemischt. Die Werkstätten müssen nun Schnittleistung, Prozessstabilität, Verbrauchsreduzierung und strenge Abwasserentsorgung unter einen Hut bringen.

Vielfältiges Angebot an Flüssigkeiten

Heute umfasst der Begriff Schneidöl mehrere voneinander klar unterscheidbare Produktfamilien. Reine Öle behalten ihren Platz bei anspruchsvollen Arbeiten – Drehen, Zahnradfräsen, Hochpräzisionsschleifen –, bei denen der Schmierfilm extremem Druck standhalten muss. Ihre Zusammensetzung hat sich jedoch weiterentwickelt: Mineralölbasen höherer Reinheit, synthetische Öle oder pflanzliche Ester sowie optimierte Additivpakete reduzieren Ölnebel, Gerüche und toxikologische Risiken.

 

In den meisten Werkstätten dominieren heute wasserbasierte Fluide. Lösliche Öle, Emulsionen und halbsynthetische Produkte bieten einen wirksamen Kompromiss zwischen Kühlung und Schmierung. Sie ermöglichen höhere Schnittgeschwindigkeiten, eine bessere Spanabfuhr und längere Werkzeugstandzeiten – vorausgesetzt, Konzentration, pH-Wert, bakterielle Belastung und Verunreinigungen durch Fremdöle werden sorgfältig überwacht.

 

Synthetische, ölfreie Fluide ergänzen das Spektrum dort, wo Kühlwirkung und Sauberkeit im Vordergrund stehen oder wo fettige Rückstände auf Bauteilen vor nachfolgenden Oberflächenbehandlungen vermieden werden sollen. Diese Segmentierung erlaubt Maschinenherstellern und Zulieferern wie der Geiger SA in Brügg, für jede Zerspanungsaufgabe optimal abgestimmte Lösungen auszuwählen.

Gesundheit, Umwelt und Maschinenhygiene im Fokus

Studien zu Ölnebel, Kontaktdermatitis (Hautentzündungen) und bestimmten Zusatzstoffen, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein, haben eine Überarbeitung der Rezepturen beschleunigt. Die neuen Produkte verzichten nach und nach auf die problematischsten Verbindungen, reduzieren den Gehalt an gefährlichen Stoffen und setzen verstärkt auf erneuerbare, insbesondere pflanzliche Grundstoffe.

 

Für Maschinenhersteller gehen diese Entwicklungen mit einer «fluidfreundlicheren» Konstruktion einher. Geschlossene Kreisläufe, leichter zu reinigende Innenflächen, klar getrennte Beckenbereiche und Abscheider für Fremdöle verhindern, dass Hydraulik- oder Führungsbahnöle das Kühlschmierstoffbad verunreinigen. Ziel ist es, die Standzeit der Fluide zu verlängern und gleichzeitig eine saubere Arbeitsumgebung ohne Gerüche oder dauerhafte Aerosolbelastung zu gewährleisten.

 

In den Werkstätten wird Sauberkeit zu einem eigenständigen Qualitätsindikator: Regelmässige Fluidanalysen, Partikelkontrollen, Überwachung der Fremdölbelastung, mikrobiologische Tests sowie präventive Wartungsprogramme sind heute Teil des Prozessmanagements. Oberflächenqualität, Masshaltigkeit und Maschinenverfügbarkeit hängen direkt davon ab.

Minimalmengenschmierung und Verbrauchsoptimierung

Ein weiterer zentraler Trend ist die drastische Reduktion der eingesetzten Fluidmengen. Systeme zur Minimalmengenschmierung (MQL) führen nur eine sehr kleine Ölmenge – in Form eines fein dosierten Aerosols – direkt in die Schnittzone. Statt Hunderter Liter Emulsion im Tank werden nur noch wenige Milliliter pro Stunde benötigt. Das senkt den Verbrauch von Betriebsstoffen ebenso wie die Menge an zu behandelnden Abfällen.

 

Diese Methode eignet sich nicht für alle Zerspanprozesse – bei bestimmten schweren Bearbeitungen bleibt das Wärmemanagement kritisch. Dennoch setzt sie sich bei vielen Fräs- und Bohrprozessen nach und nach durch, insbesondere auf modernen, hochdynamischen Maschinen. Der Sauberkeitsgewinn ist unmittelbar sichtbar: trockenere Maschinen, praktisch keine Ölnebel und Werkstücke, die oft ohne intensive Reinigung für den nächsten Schritt bereit sind.

 

Für Zulieferer wie Geiger SA, die sehr hohe Qualitätsanforderungen erfüllen müssen, eröffnen solche Technologien hybride Strategien: Minimalmengenschmierung bei geeigneten Operationen, leistungsfähige Kühlschmierstoffe mit sorgfältig gefilterten Kreisläufen bei anspruchsvolleren Prozessen.

«Saubere» Zerspanung als Systemlösung

Die Weiterentwicklung von Kühlschmierstoffen entscheidet sich heute nicht mehr allein in der Chemieformulierung, sondern im Zusammenspiel von Werkzeugmaschine, Fluid und Prozess. Maschinenhersteller optimieren Geometrie und Abdichtung der Gehäuse, Spanabfuhr, Trennung der Ölströme sowie die Zugänglichkeit für Reinigungsarbeiten. Parallel dazu entwickeln Chemiker stabilere Fluide, die sich leichter trennen, recyceln und mit neuen Werkstoffen kombinieren lassen.

 

Langfristig ist das Ziel klar: die benötigte Fluidmenge pro produziertem Bauteil weiter zu reduzieren, die Einsatzdauer der Fluide zu verlängern und ihre Verwertung am Ende des Lebenszyklus zu vereinfachen. Die Schnittqualität bleibt zentral – sie wird jedoch zunehmend mit Anforderungen an Maschinenhygiene, Arbeitsschutz und Umweltbilanz verknüpft.

Zürich 15.04.2026
Beitrag von: Roland J. Keller
Bildquelle: Roland J. Keller

Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Nutzererlebnis zu bieten. Einige Cookies sind für den Betrieb der Seite notwendig, andere dienen Statistikzwecken, Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte. Sie können selbst entscheiden, welche Cookies Sie zulassen wollen. Bitte beachten Sie, dass aufgrund Ihrer Einstellung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite verfügbar sind. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung und Cookie Policy. Details anzeigen