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Herausgepickt: einige Artikel aus der STZ

Die Jungen Wilden auf dem Vormarsch
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Die Jungen Wilden auf dem Vormarsch

STZ, November 2019 - Fintech-Start-ups schiessen in der Schweiz wie Pilze aus dem Boden. Viele von ihnen setzen auf innovative Technologien wie künstliche Intelligenz und Blockchain. Die etablierten Schweizer Banken dagegen gelten nicht unbedingt als innovationsfreudig. Werden die Newcomer das Banken-Establishment eines Tages verdrängen?

Krawatte? Fehlanzeige. Im besten Fall als «Business Casual» lässt sich der Dresscode beschreiben, der an diesem warmen Septembertag im Zürcher Kraftwerk Selnau herrscht. Das wäre nicht weiter bemerkenswert, handelte es sich bei der Veranstaltung nicht um eine Messe der Schweizer Finanzbranche. Da würde man doch eher distinguierte Herren in tadellosen, wenn auch etwas altmodischen Anzügen erwarten. Hier nicht. Hier – auf der Swiss Fintech Fair – treffen sich die Jungen Wilden der Finanzbranche. Nicht nur durch die Kleiderordnung hebt sich die Szene vom Banker-Establishment ab: Man gibt sich locker, ist schnell per Du – und das, obwohl hier jeder laut Visitenkarte, mindestens CEO, CTO oder CFO zu sein scheint. In Start-ups erreicht man eben etwas schneller das C-Level. Es ist proppenvoll. 700 Besucher sind gekommen, gut 50 Unternehmen präsentieren sich auf der Ausstellungsfläche im Erdgeschoss. Ein Stockwerk höher, im Kommandoraum des ehemaligen Kraftwerks, gibt Ghassen Benhadjsalah auf der «Fintech Innovation Stage» alles: «Can you hear me», schreit der CEO der Acredius AG das schwitzende Publikum an – nicht etwa weil er sich für einen Rockstar hält, sondern ganz einfach, weil es keine Tonanlage gibt. Die Schwitzenden bejahen, und Benhadjsalah stellt in einem fünfminütigen Pitch das Geschäftsmodell der von ihm gegründeten Crowdlending-Plattform Acredius vor.

Motoren der Branche: KI und Blockchain

Acredius, ist eines von inzwischen knapp 400 Schweizer Fintech-Unternehmen. Die Geschäftsmodelle dieser Firmen sind sehr unterschiedlich. Sie reichen vom Crowdlending über Cloud-basierte Buchhaltungslösungen für KMU, bis hin zur vollständig computergesteuerten Geldanlage und zum Bau sicherer Computerhardware für Blockchain-Transaktionen. Die noch junge Schweizer Fintech-Branche erlebte im vergangenen Jahr einen regelrechten Start-up-Boom. Die Zahl der Fintech-Unternehmen sei 2018 um 62 Prozent gewachsen, schreibt das zur Hochschule Luzern gehörende Institut für Finanzdienstleistungen Zug (IFZ) in seiner jährlich erscheinenden «IFZ FinTech Study ». Auch die Zahl der Mitarbeiter steigt – im Gegensatz zu den etablierten Banken, bei denen die Zahl der Mitarbeiter tendenziell zurückgeht. Ein grosser Teil der Fintech-Unternehmen setzt auf die künstliche Intelligenz. Maschinelles Lernen kommt inzwischen bei der Finanzanalyse und in der Vermögensverwaltung ebenso zum Einsatz, wie auch bei der Bewertung von Kreditrisiken und bei der Compliance. Längst profitieren auch die etablierten Banken vom maschinellen Lernen: «Die Weltmärkte sind zu komplex geworden, als dass Menschen sie allein noch überblicken könnten. Die neuen Technologien helfen uns, die Märkte in Sekundenschnelle zu analysieren. Mithilfe von maschinellem Lernen und Big Data können wir Börsenbewegungen abschätzen und zu einem gewissen Grad voraussagen», erklärte beispielsweise die Technologiechefin der US-Investmentbank Goldman Sachs, Joanne Hannaford, im Interview mit dem deutschen Handelsblatt. Die zweite IT-Innovation, die den Fintech- Sektor befeuert ist die Distributed-Ledger- Technologie und – eigentlich eine Ausprägung dieser Technologie – die Blockchain. Deren Anwendungsmöglichkeiten gehen weit über die berühmt-berüchtigten Kryptowährungen hinaus, denn die Technologie erlaubt es im Prinzip, beliebige Vermögenswerte beispielsweise Aktien und andere Wertschriften oder gar Immobilien zu «tokenisieren», sie also in virtuelle Anteile aufzuteilen und anschliessend genauso zu handeln wie Kryptowährungen. Die ersten beiden Schweizer Kryptobanken hocken derweil in den Startblöcken: Im August hat die Finma Banklizenzen an die Zuger Seba Bank AG und die Zürcher Sygnum Bank AG vergeben. Beide Unternehmen wollen zukünftig ihren Kunden die Investition in und den Handel mit digitalen Vermögenswerten ermöglichen.

Lösungen aber keine Probleme

Nicht alles ist jedoch Gold, was glänzt. Wer zum falschen Zeitpunkt in Kryptowährungen investiert hat, kann ein Lied davon singen. Und auch die Autoren der Zuger Fintech-Studie mahnen: «Innovation sollte echte Probleme lösen.» Das Hauptziel der technologischen Innovation in der Finanzindustrie sollte es sein, höhere Geschäfts olumina, höhere Margen, niedrigere Kosten und/oder geringere Risiken für Unternehmen zu erreichen, sowie eine verbesserte Benutzerfreundlichkeit und niedrigere Kosten für die Anwender. «Einige der aktuellen Innovationen in der Finanzindustrie erfüllen diese Ziele jedoch nicht, sondern stellen trendige Lösungen mit nur begrenzter Wertschöpfung dar.» Im Kommandoraum des Kraftwerks schlägt Patrick Barnert in die gleiche Kerbe: «Viele Fintech-Start-ups verfügen über grossartige Technologie. Sie haben nur das Problem noch nicht gefunden, dass sie mit dieser Technologie lösen können», sagt der Fintech-Stratege, der in den Verwaltungsräten mehrerer Schweizer Start-ups sitzt. Und auch wenn die Spreu sich in der jungen Branche wohl noch vom Weizen trennen wird, kommen die Macher der IFZFinTech- Studie zum Schluss «Traditionelle Banken müssen sich weiterentwickeln oder werden am Ende irrelevant werden.»

Konkurrenz oder Kooperation?

Genau wie Grossunternehmen in anderen Branchen, tun sich die Schweizer Banken jedoch schwer damit, sich aus sich selbst heraus weiterzuentwickeln. Und genau wie Grossunternehmen in anderen Branchen lösen sie dieses Problem, in dem sie nach Kooperationsmöglichkeiten mit innovativen Fintech- Unternehmen suchen. Nicht wenige der Startups erwirtschaften ihren Umsatz mit einigen wenigen Kunden – oder sogar nur einem einzigen: einer Grossbank. Ob das Verhältnis zwischen dem Banken-Establishment und den «jungen Wilden» in Zukunft von Konkurrenz oder Kooperation geprägt sein wird, lässt sich kaum vorhersehen. Johs Höhener, Head of Fintech bei der Swisscom und Herausgeber der «Swiss Fintech Map», dazu im Swisscom-Magazin: «Vor fünf Jahren hiess es noch: Fintech-Start-ups disruptieren die Banken, jetzt wird sich alles verändern. Inzwischen stecken wir seit drei Jahren in einer Phase der Kooperation zwischen Start-ups und Banken. In Zukunft dürfte es wieder stärker um Konkurrenz und Disruption gehen.» Vielleicht bewahrheitet sich dann am Ende doch, was Microsoft- ründer Bill Gates vor 25 Jahren bereits gesagt hat: «Banking is essential, Banks are not.»

Autor: Hendrik Thielemann
Bildquelle: Istockphoto
Artikel aus der STZ: Ausgabe Okt 2019

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