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Swiss-US Energy Innovation Days 2019 in Texas

Das Bundesamt für Energie und Swissnex San Francisco veranstalteten vom 6. bis 9. Oktober 2019 in Texas die sechste Ausgabe der Swiss-US Energy Innovation Days. Fast 100 Teilnehmer aus den USA und der Schweiz nahmen an Panels, Diskussionen, Besichtigungen vor Ort sowie Präsentationen von Industrie, Behörden, Forschungsinstitutionen und Start-ups teil.

Benoît Revaz, Direktor des BFE, und Dub Taylor, Direktor des Texas State Energy Conservation Office, begrüssten die Teilnehmer mit einem Überblick über die Politik und die Prioritäten der staatlichen Energieinnovation. Texas ist der grösste Produzent von Öl und Gas in den USA und der Staat mit der grössten installierten Windkapazität. Er weist das grösste Solarpotenzial aber auch das grösste Energieeffizienzpotenzial auf. Zudem ist Texas der grösste Stromproduzent der USA, wobei die Netze mit dem Rest der USA nicht verbunden sind. Das hat den Vorteil, dass sie nach eigenen Vorstellungen und unabhängig vom US-nationalen Energieregulator agieren können. Der erste Tag war Podiumsdiskussionen und Kurzvorträgen gewidmet. So präsentierte Architekt und Swiss-Engineering-Mitglied Karl Viridén das gestalterisch gelungene Retrofitting eines Mehrfamilienhauses in der Stadt Zürich, welches dank Batterie zu einem Eigenverbrauchsgrad von 70 Prozent kommt. Ein Rundgang durch den Campus der University of Texas in der Hauptstadt Austin rundete das Programm ab. Der Schwerpunkt lag auf der Kälte-, Wärme- und Stromversorgung der Universität. Die Technik dafür besteht aus jahrzehntealten Komponenten, allerdings wird die Effizienz des gesamten Systems im 2-Sekunden-Takt mittels der «Hartman Loop»-Systematik optimiert, was erstaunlich hohe Einsparungen von rund 30 Prozent ermöglicht. Der Tag endete mit einem Networking- Empfang in einem lokalen Start-up Impact Hub, mit kurzen Pitches von amerikanischen und schweizerischen Startups der Energieszene. So wurden von schweizerischer Seite neue Möglichkeiten der Planung von Übertragungsleitungen (Gilytics), des klugen Einsatzes von PV dank permanenter Messung (LEDsafari) oder des vermehrten Einsatzes von CO2 als Medium bei Wärmepumpen und Energiesystemen präsentiert. Der zweite Tag startete mit einem Besuch des Southwest Research Institute in San Antonio. Die Forschungsstätte mit 2800 Mitarbeitern bearbeitet ein breites Themenspektrum ähnlich der Empa. Die Teilnehmer erhielten einen Einblick in die Forschungsaktivitäten, zum Beispiel auf dem Gebiet der Batteriegrossspeicher und hocheffizienter Turbinen für Solarkraftwerke mit superkritischem CO2 als Medium. Es folgten kurze Vorträge über Themen wie Netzmodernisierung und die Pläne des kommunalen Versorgungsunternehmens für die Zukunft. So plant San Antonio, bis 2050 klimaneutral zu sein.

 

Muss die Ölindustrie für den Klimawandel haften?

Ein spannendes Referat hielt Ben Franta von der Stanford Law School: Er zeigte auf, dass Exxon in internen Papers bereits in den 1980er- Jahren die drohende Klimaerwärmung und deren Ausmass voraussagte, und wies darauf hin, dass die Ölindustrie vor ähnlichen juristischen Problemen wie die Zigarettenindustrie stehen könnte. Aktuell seien von Städten wie New York neun Klagen gegen Erdölkonzerne wegen Verursachung des Klimawandels hängig. Derartige auf dem in den USA harten Verursacherprinzip basierenden Klagen könnten zu einem riesigen Problem für die Erdölbranche werden. Bruno Storni, Mitglied des Zentralvorstands von Swiss Engineering, präsentierte das an der SUPSI entwickelte und in Gordola eingesetzte System zur Leckdetektion in der Wasserversorgung mittels IoT-Technologie in den Wasserzählern der Endnutzer. Der Tag endete mit einem Rundgang durch die 12-stöckige Zentrale von Credit Human, die in der Innenstadt von San Antonio gebaut wird und unter anderem mit 2912 Solarmodulen und 150 geothermischen Bohrungen ein energietechnisches Leuchtturmprojekt mit LEED-Platin-Zertifizierung sein soll. Regenwasser und Kondenswasser aus den Klimaanlagen wird gesammelt und soll bis zu 97 Prozent des Wasserbedarfs abdecken. Die Immobilie gewinnt dadurch auch Attraktivität in der Vermietung, denn im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsprogramme suchen immer mehr Firmen entsprechende Räumlichkeiten.

 

Nachhaltiges Wohngebiet mit Industrieflair

Die dreitägige Veranstaltung endete mit einer Besichtigung des Entwicklungsgebiets Whisper Valley, einer 2000 Hektar grossen neuen Wohn-Gewerbezone ausserhalb von Austin für rund 30 000 Bewohner. Dies wird nach neusten Erkenntnissen der Nachhaltigkeit und mit «state-of-the-art»-Energietechnologie erstellt (Geothermieloop, Photovoltaik usw.). Die Preise für die Wohnhäuser liegen mit USD 250 000–400 000 trotz der ökologischen Bauweise im regionalen Durchschnitt. Weiter besucht wurde der Seaholm Ecodistrict in Downtown Austin, wo auf dem Gelände eines ehemaligen Dampfkraftwerks ein topmodernes Wohn- und Arbeitsgebiet mit hoher Lebensqualität entstanden ist. Dieses soll mit LEED-Standard, Solaranlagen, Kühlung mittels Wasser etc. höchste Ansprüche an Nachhaltigkeit und «Coolness» erfüllen – inklusive der sorgfältig erhaltenen Industrieaura. Gleich nebenan gab es zum Abschluss eine Besichtigung der preisgekrönten Austin Central Library, einem vor Kurzem eröffneten, attraktiven Ort der Begegnung und der Bildung für die Bevölkerung von Austin. Und zu guter Letzt gab es noch eine Führung durch das ehrwürdige Texas State Capitol, im Design ähnlich dem United States Capitol in Washington DC und Sitz der Legislative sowie des Gouverneurs.

 

Autor: Stefan Arquint, ehem. Generalsektretär Swiss Engineering
Bildquelle: BFE
Artikel aus der STZ: Ausgabe Dez. 2019

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