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Sag mir wo die Mädchen sind

STZ, Dezember 2021 - Ingenieurinnen sind in Schweizer Unternehmen nach wie vor eine Seltenheit. Wer nach den Ursachen forscht, stösst auf eine undichte Pipeline, auf Geschlechter-Stereotype und auf Rahmenbedingungen, die der Schweiz den Ruf des familienfeindlichsten Landes in Europa einbringen.

In der Schule ist die Welt noch in Ordnung. An Schweizer Gymnasien liegt der Mädchenanteil bei 57 Prozent. Schon seit 30 Jahren schliessen Mädchen die Schule häufiger mit der Matura ab als Jungen. Und sie haben die besseren Noten – nicht etwa nur in Kunst, Religion und Hauswirtschaft, sondern auch in den mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächern. Seit 30 Jahren also verlassen junge Frauen die Schule mit scheinbar gleich guten Voraussetzungen, um eine Karriere in einem technischen Beruf anzustreben, zum Beispiel als Ingenieurin. Doch auf dem Weg vom Gymnasium durch das akademische System in den Beruf «verschwinden» die Frauen nach und nach – ein Phänomen, das Experten als «Leaky Pipeline» bezeichnen.

Ganz besonders undicht scheint die Pipeline in den Ingenieurberufen zu sein. 2019 waren 53,6 Prozent der Studienanfänger in der Schweiz weiblich. In den MINT-Studiengängen liegt der Frauenanteil jedoch nur bei rund einem Drittel. An der ETH Zürich beispielsweise betrug er unter den neu eingetretenen Bachelorstudierenden im Jahr 2019 nur 34 Prozent. Innerhalb der an der ETH gelehrten Disziplinen liegen die klassischen Ingenieurswissenschaften Maschinenbau, Informatik, Elektrotechnik ganz hinten. Frauen machen hier je nach Studiengang gerade einmal 12 bis 20 Prozent aller Studierenden aus.

«Zufrieden sein können wir damit natürlich nicht», so die Rektorin der Hochschule, Sarah Springman, im ETH-Magazin «Life». «Uns entgehen zu viele weibliche Talente.» In ihrem «Equality Monitoring» sucht die ETH nach den Lecks in der Pipeline und wird fündig: «Je höher die akademische Karrierestufe, desto geringer der Frauenanteil», heisst es in dem Bericht zusammenfassend. Vom Bachelor über Master, Doktorat und Assistentenstellen bis in den akademischen Mittelbau und schliesslich zu den Professuren: Frauen werden immer weniger. 14,3 Prozent beträgt ihr Anteil unter den festangestellten Professoren und Professorinnen. Ausserhalb der Hochschulen sieht es nicht besser aus: Der Anteil der Frauen unter den berufstätigen Ingenieurinnen und Ingenieuren in der Schweiz liegt derzeit bei rund 16 Prozent.

«Zu lange haben wir die Gleichstellung der Geschlechter als Luxusgut angesehen. Als Nice-to-have und nicht als Notwendigkeit.»

Havard-Professorin Iris Bohnet

Stereotype halten sich hartnäckig

Warum gehen auf dem Weg aus der Schule ins Studium und in den Beruf so viele weibliche Talente verloren? ETH-Rektorin Springman sieht eine Hauptursache im althergebrachten Männer- und Frauenbild: «Wir haben mit Stereotypen zu kämpfen, die in der ganzen Gesellschaft verankert sind. Es gibt Berufsfelder, die bei uns immer noch als typisch weiblich oder männlich gelten.»

Solche Vorurteile halten sich nicht nur bei Männern hartnäckig, auch Frauen selbst sind davor nicht sicher. Eine Studie der Universität Bern brachte zutage, dass junge Frauen ihre eigenen mathematischen Kompetenzen im Vergleich zu jungen Männern unterschätzen und dass dies mit einer geringeren Präferenz für einen MINT-Beruf einhergeht.

Im März dieses Jahres diskutierte ETH-Rektorin Springman das Thema im Rahmen eines Online-Events der «ETH Global Lecture Series» mit Iris Bohnet. Die Schweizerin ist Professorin sowie akademische Dekanin der zur Harvard Universität gehörenden Kennedy School. In ihrer Arbeit verbindet Bohnet Erkenntnisse aus Ökonomie, Neuroökonomie und Psychologie, um aufzudecken, wie unterbewusste «Entscheidungsverzerrer», unsere Urteilskraft manipulieren. Ebenso wie Sarah Springman misst auch Iris Bohnet hartnäckigen Geschlechter-Stereotypen eine zentrale Bedeutung für den Frauenmangel in den MINT-Berufen zu. Sie sagt: «Es ist wirklich schwer, Vorurteile abzubauen. Und in unseren Organisationen haben sich viele Vorurteile eingeschlichen.» Entsprechend gebe es auch keine Universalwaffe, mit der sich das Problem aus der Welt schaffen lasse. In ihrem Buch «What Works: Gender Equality by Design» liefert die Harvard-Professorin praktische Beispiele dafür, wie die Verhaltenswissenschaft genutzt werden kann, um die Gleichstellung der Geschlechter in der Wirtschaft zu verbessern. Bohnet sieht durchaus Fortschritte auf dem Weg zu mehr Gleichstellung – besonders im Bildungssystem: «Die Dinge ändern sich, aber sie ändern sich langsam», sagt sie. Zu lange habe man die Gleichstellung als Luxusgut angesehen und nicht als Notwendigkeit.

Familie und Beruf sind immer noch schwer vereinbar

Ob Geschlechter-Stereotype genügen, um das grosse Leck zu erklären, das die Pipeline am Übergang zwischen Studium und Beruf aufweist, darf bezweifelt werden. Nach wie vor macht die Schweiz es jungen Frauen schwer, Familie und Beruf unter einen Hut zu bringen. Erst im August nahm der «Spiegel» das Thema «Kinderbetreuung in der Schweiz» aufs Korn und befand: «Die Eigenossenschaft ist eines der familienfeindlichsten Länder Europas.» Das mag Spiegel-übliche Polemik sein, allein ist das deutsche Nachrichtenmagazin mit dieser Einschätzung jedoch nicht: Laut einer Studie des UN-Kinderhilfswerks Unicef ist die Schweiz unter den 31 europäischen OECD-Mitgliedsstaaten das Land mit den familienfeindlichsten Rahmenbedingungen.

Ein Urteil, das von manchen inländischen Experten durchaus geteilt wird: «Wir haben keine ausreichende Elternzeit und zu hohe Kita-Kosten», erklärt beispielsweise die Gleichstellungs-Forscherin Gesine Fuchs in einem auf der Webseite der Hochschule Luzern (HSLU) veröffentlichten Interview. Nach den Gründen gefragt, scheut sich die Professorin nicht, Klartext zu sprechen: «Die Schweiz ist ein konservativ-liberaler Wohlfahrtsstaat. Das gesellschaftlich verankerte Bild ist: Das Kind gehört zur Mutter und in der Familie kommt es auf Eigenverantwortung an, Familie ist Privatsache.»

Autor: Hendrik Thielemann
Bildquelle: ETHZ / A. Della Bella
Artikel aus der STZ: Ausgabe Dezember 2021

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