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STV stärkt, fördert, vernetzt

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Raus aus dem Elfenbeinturm

STZ, April 2021 - Dass die Schweizer Hochschulen zu den besten der Welt gehören, wird ihnen in schöner Regelmässigkeit aus dem Ausland bestätigt. Aber findet das Know-how, das sie hervorbringen, auch den Weg aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft in die Unternehmen?


Schweizer Hochschulen haben ihre Nasen im internationalen Wettbewerb weit vorn. Das hat das QS World University Ranking einmal mehr bestätigt. Die ETH Zürich rangiert auf Platz sechs der besten Hochschulen der Welt, in der Kategorie «Engineering & Technology » sogar auf Rang vier. Die EPFL belegt in dieser Kategorie den zwölften Rang. Das QS-Ranking stellt dem gesamten Bildungsstandort Schweiz ein sehr gutes Zeugnis aus. Insgesamt 29 Schweizer Hochschulen rangieren unter den besten zehn in ihrem jeweiligen Fachgebiet. Die Top-Platzierungen kommen nicht von ungefähr: Rund 40 Milliarden Franken geben Bund, Kantone und Gemeinden jährlich für Bildung, Forschung und Innovation aus. Mehr als acht Milliarden davon fliessen in die Hochschulen.

Der Staat erwartet Technologietransfer

Wer viel zahlt, will auch Ergebnisse sehen – nicht nur bei der Ausbildung von Studentinnen und Studenten, sondern auch beim Technologietransfer: «Zur Stärkung der Innovationskraft und der Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz fördert der ETH-Bereich die Zusammenarbeit und den Austausch mit der Wirtschaft und der Gesellschaft», heisst es beispielsweise in den strategischen Zielen des Bundesrats für den ETH-Bereich.

Dass die Schweizer Hochschulen und Forschungseinrichtungen aktiv und erfolgreich mit der Wirtschaft interagieren, bescheinigen sie sich selbst im jährlich publizierten «swiTTreport». Dieser Bericht, der die Technologietransfer- Aktivitäten öffentlicher Forschungsinstitutionen in der Schweiz analysiert, wartet mit Erfolgsgeschichten und beeindruckenden Zahlen auf: Im Jahr 2019 hätten die Fachstellen für den Technologietransfer insgesamt 3877 Forschungsverträge mit Partnern aus der Wirtschaft und der öffentlichen Hand abgewickelt. Die Einrichtungen hätten ausserdem 631 Erfindungen gemeldet, 329 Patente angemeldet und 237 neue IP-Vereinbarungen getroffen.

Alles in Butter also, was den Wissens- und Technologietransfer in der Schweiz angeht? Wie gut die Schweiz abschneidet, hängt immer davon ab, wie hoch man die Messlatte legt. Und die liegt hierzulande ganz weit oben. Das zeigt der vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) herausgegebene Bericht «Forschung und Innovation in der Schweiz 2020». Der Bericht vergleicht die Schweiz nicht nur mit anderen Staaten, sondern auch mit den stärksten Innovationsregionen der Welt wie beispielsweise den Grossräumen Boston und San Francisco oder Baden-Württemberg. Da schneidet die Schweiz zwar immer noch gut ab, aber es lassen sich eben Regionen finden, die noch innovativer sind.

Die meisten Unternehmen und Hochschulen sind aktiv

«Der Wissens- und Technologietransfer (WTT) sowohl zwischen Unternehmen als auch zwischen Unternehmen und Hochschulen ist für den Innovationserfolg immer wichtiger», heisst es im SBFI-Bericht zusammenfassend. Zwei Studien durchleuchten als Teil des Berichts dieses Thema aus Sicht der Unternehmen und aus der Perspektive der Hochschulen. Zusammengefasst zeigen die Studien, dass der Wissens- und Technologietransfer funktioniert, dass Verbesserungen aber immer noch möglich sind. Viele Unternehmen und auch die meisten Hochschulen bemühen sich aktiv um Kooperationen.

«Der Wissens- und Technologietransfer zwischen Unternehmen und Hochschulen ist für den Innovationserfolg immer wichtiger

Etwas mehr als drei Viertel aller Institute von Hochschulen und Forschungsinstitutionen in der Schweiz haben in den Jahren 2015 bis 2017 mit privaten Unternehmen in der Schweiz zusammengearbeitet. Am wichtigsten, so der Bericht, ist der Wissensaustausch für die Institute der Fachhochschulen, die intensiv mit Schweizer KMU zusammenarbeiten. In den Instituten des ETH-Bereichs ist die Intensität des Wissensaustauschs ebenfalls hoch. Bei den Instituten der kantonalen Universitäten zeigt sich dagegen ein heterogenes Bild.

Auf der Seite der Unternehmen ist der Anteil derjenigen, die aktiv Wissens- und Technologietransfer betreiben, seit längerer Zeit konstant. Exportorientierte Unternehmen, Unternehmen mit höheren Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) oder mit einem höheren Anteil von Hochschulabgängern betreiben häufiger aktiven Technologietransfer als andere Firmen. Zugenommen hat im Zeitraum zwischen 2005 und 2018 der Anteil der Grossunternehmen, die beim Transfer aktiv sind. Die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen lohnt sich: Unternehmen, die WTT-Beziehungen mit schweizerischen Hochschulen haben, bringen mehr neue Produkte und Prozesse hervor und sind wettbewerbsfähiger.

Unternehmen sind selbstkritisch

Warum setzen also nicht noch mehr Unternehmen auf die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen? Vor allem die grösseren der befragten Unternehmen, führen eine Reihe von Mängeln an: Diese reichen von «zu wenig interessanter Forschungsausrichtung», «mangelnder Geheimhaltung », «zu wenig unternehmerischem Denken» über Kosten- und Risikoaspekte bis hin zur Schwierigkeit, an den Hochschulen geeignete Ansprechpartner zu finden. Die befragten Unternehmen zeigten sich jedoch selbstkritisch und sahen die wichtigsten Hemmnisse für den Technologietransfer weniger bei den Hochschulen, sondern vielmehr bei sich selbst. Konkret nannten sie als Hemmnisse für Kooperationen mit Hochschulinstituten mangelndes Interesse des Unternehmens an wissenschaftlichen Projekten und die Annahme, dass die F&E-Fragen der Unternehmen für die Hochschulen uninteressant seien. Am Ende könnten sich diese Hemmnisse auch als eine Art Henne-Ei-Problem herausstellen: Denn sie werden vor allem von jenen Unternehmen genannt, die bisher keine oder wenig Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben. Firmen, die regelmässig mit diesen Institutionen kooperieren, scheinen dagegen die genannten Hemmnisse als weitaus weniger schwerwiegend zu empfinden.

 

Autor: Hendrik Thielemann
Bildquelle: ETHZ/ G.M. Castelberg
Artikel aus der STZ: Ausgabe April 2021

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