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Etwas mehr Engagement, bitteschön!

STZ, Dezember 2021 - Wie jede und jeder zur Verbesserung des Frauenanteils in MINT Fächern beitragen kann.

Das war erst kürzlich: Ein neuer Kollege sagte mir beim ersten Kennenlernen, dass er sich das gar nicht vorstellen kann, mich, als Ingenieurin, im Kraftwerk. Das brachte mich zum Lachen, weil mir mein Beruf so selbstverständlich ist - ich müsste sozusagen mein halbes Leben umschreiben, wenn ich mir diesen Teil wegdenken würde.

Wird ein Ingenieur mit solcher Skepsis konfrontiert? Eher nicht. Ist es ermutigend, auf solche Skepsis zu stossen? Sicher nicht für Mädchen und junge Frauen, die darüber nachdenken, dass Technik ja ganz schön interessant ist. Ich lese vielfach - und bin überzeugt: Es wäre klar besser für uns Frauen, für die Technikentwicklung in unserem Land und den Erfolg der Firmen, wenn der Talentpool Frauen auch den MINT Fächern zur Verfügung stünde.
Nur - ist das wirklich allen klar? Ich fürchte: Nein. Sonst würden sich viel mehr Menschen dafür engagieren. Zum Beispiel in der Schule. Ja, es ist seit langem bekannt, dass Mädchen und Jungs in MINT Fächern ungefähr gleich gut sind. Wenn aber ein Mädchen Mathematik schwierig findet, ist die Standarderklärung, sie interessiere sich nur für Sprachen. Die Schulfreundin meiner Tochter zum Beispiel, hatte eine schlechte Note in Mathematik und ihre Mutter erzählte mir, dass ihr Sohn in Mathematik sehr gut, aber ihre Tochter einfach nicht begabt sei. Da ich überzeugt bin, dass der Schulstoff Mathematik für normal intelligente Menschen lernbar ist, äusserte ich Zweifel an der Qualität des Lehrers. Darüber war sie völlig überrascht. Aber später berichtete sie mir, ihre Tochter sei mittlerweile in Mathematik sehr gut und meinte, es läge halt doch an der Lehrperson.
Ich finde diese Geschichte sehr typisch, für uns alle. Wir alle müssen die Stereotypen immer wieder hinterfragen, wenn wir wünschen, dass es mehr Frauen in den MINT Berufen gibt.

Wie ging es mir im Studium?

Im Ernst: Ich dachte, den jungen Männern fällt das Studium leichter, weil sie Männer sind. Das dachte ich bis zu dem Tag, an dem ich als Tutorin Übungen korrigierte. Die Übungsblätter meiner Kommilitonen offenbarten mir Abgründe von Schwierigkeiten, mit denen sie zu kämpfen hatten. Und ich lernte daraus - gründlich und nachhaltig - erstens, dass das Mannsein nicht hilft, schwierige Sachverhalte besser zu verstehen und zweitens, dass das Mannsein allenfalls bei der Überzeugung hilft, man hätte genügend verstanden… davon wiederum könnten wir Frauen durchaus lernen. Dass sich am Selbstzweifel der Mädchen und jungen Frauen (“den Männern fällt das leichter als mir”) noch nicht viel gebessert hat, weiss ich aus Gesprächen mit Studentinnen, und es gibt dazu wissenschaftliche Untersuchungen.
Was können wir – und zwar wirklich jeder und jede – tun, um diese Hürde zu verringern?
Mein Vorschlag: Offen ansprechen, hinterfragen, ermutigen, darüber lachen.

Ist es schön, als Ingenieurin zu arbeiten? Ja! Ja! Ja! und Nein!

Ja! Die Themen sind hochspannend und äusserst vielfältig. Sie sind relevant für unsere Gesellschaft und Lebensgestaltung, und wir können etwas bewegen.
Ja! Die Arbeitsbedingungen sind gut und meist sind eine flexible Gestaltung sowie Teilzeit gut möglich. Ich wurde nach der Geburt meines zweiten Kindes zur Teamleiterin (in Teilzeit) befördert.
Ja! Die beruflichen Möglichkeiten sind sehr vielfältig, von wissenschaftlicher und technischer Spezialisierung über Management, Lehrberufen bis zur Patentanwältin.
Nein! Es ist einfach nicht so lustig, in vielen Teams und Gremien die einzige Frau zu sein.

Darum empfehle ich jungen Frauen in technischen Fächern: Mach, was dich interessiert und wenn du die Wahl zwischen zwei Gebieten hast, die dich sehr interessieren, wähle das Gebiet, in dem die Präsenz von Frauen schon selbstverständlicher ist.

Autor: Mirjam Sick, Dr. Ing. (Maschinenbau), MBA
Bildquelle: Deutsche Handelskammer in Österreich (DHK)
Artikel aus der STZ: Ausgabe Dezember 2021

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