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Der virtuelle Goldrausch

STZ, August 2021 - Kryptowährungen sind das Gold des 21. Jahrhunderts. Getrieben von der Gier nach schnellem Reichtum ziehen die neuen Goldgräber um die Welt, auf der Suche nach billigem Strom, der ihre Mining-Hardware antreibt.

Die Beamten der West-Midlands-Police staunten nicht schlecht. Eigentlich hatten sie in Englands zweitgrösster Stadt Birmingham eine illegale Hanfplantage auffliegen lassen wollen. Der hohe Stromverbrauch, illegal aus dem Leitungsnetz abgezweigt, hatte die Polizisten auf ein Gebäude ausserhalb der Stadt aufmerksam gemacht. Die Infrarotkamera einer Polizeidrohne hatte zudem ungewöhnliche Wärmequellen aufgezeichnet. Als die Ermittler im Mai das Gebäude schliesslich betraten, fanden sie jedoch keine Grasplantage, sondern eine Bitcoin-Farm.

Stromverbrauch wie Österreich

Bitcoin-Mining ist in England nicht verboten – solange man den Strom dafür auf legale Weise bezieht. Doch mit ehrlich erworbenem Strom kann man das virtuelle Geld auf der Insel nicht profitabel schürfen. Neben geeigneter Hardware braucht man für das Bitcoin-Mining vor allem eines: Strom. Viel Strom. Glaubt man dem Bitcoin-Electricity-Consumption-Index der Universität Cambridge, verbraucht das Bitcoin-Netzwerk derzeit ungefähr so viel Elektrizität wie Österreich – Tendenz steigend. Der hohe Verbrauch ist eine Herausforderung für die Miner: Nur wenn Rechenleistung, Stromkosten und Bitcoin-Kurs im richtigen Verhältnis stehen, ist das Schürfen profitabel. Getrieben von der Gier nach Krypto-Reichtum, suchen die Goldgräber des 21. Jahrhunderts deshalb weltweit nach geeigneten Standorten und investieren in effiziente Computer-Hardware. Einige versuchen ihr Glück, indem sie ganze Batterien teurer High-End-Grafikkarten zusammenschalten, andere setzen längst auf dedizierte Hardware mit anwendungsspezifischen integrierten Schaltungen (ASICs). Dennoch: Mit Strompreisen, wie sie in England herrschen, ist das Geschäft beim besten Willen nicht gewinnbringend zu betreiben.

Das gilt ebenso für die Schweiz. Noch vor fünf Jahren war das anders. Da erlebte Dorf Gondo im Wallis seinen zweiten Goldrausch nach 1874, als in der Region tatsächlich Gold gefunden wurde. Angezogen von niedrigen Strompreisen hatte sich die Firma Alpine Mining Gondo als Standort ausgesucht, um dort die Kryptowährung Ethereum zu schürfen. Und wie beim echten Goldrausch liessen die Trittbrettfahrer nicht lange auf sich warten. Gondo wurde mit Anfragen überhäuft, konnte aber letztlich keine neuen Claims zur Verfügung stellen: Zwar wollten die Behörden der Gemeinde neues Bauland einzonen, Fachleute für Naturgefahren schoben dem aber einen Riegel vor: Zu gross sei die Gefahr durch Lawinen, Steinschlag und Hochwasser auf dem Gemeindegebiet. So endete der Goldrausch in Gondo, noch bevor er richtig angefangen hatte. Da für eine Expansion keine geeigneten Räume zur Verfügung standen und auch das Stromnetz den wachsenden Energiehunger der Mining-Hardware bald nicht mehr befriedigen konnte, suchte sich schliesslich auch Alpine Mining einen ergiebigeren Claim im schwedischen Jokkmokk.

Schürfen mit skandinavischer Wasserkraft …

Nordskandinavien und vor allem Island wurden zu Hochburgen der Krypto-Goldgräberszene. Dort entstanden im letzten Jahrzehnt grosse Krypto-Farmen, angetrieben von billigem – und umweltfreundlichem – Strom aus Wasserkraft. Doch inzwischen ist selbst im hohen Norden der Strom zu teuer, und die Glücksritter ziehen weiter. Zeitweilig wurden, laut Icelandic Blockchain Foundation in Island rund acht Prozent aller Bitcoins geschürft. Heute liegt der «Marktanteil» nur noch bei ein bis zwei Prozent.

… und chinesischem Kohlestrom

Inzwischen heisst der «Weltmarktführer» China. Rund zwei Drittel der Rechenleistung des gesamten Bitcoin-Netzwerks werden derzeit im Reich der Mitte erbracht, hauptsächlich in vier Provinzen: Xinjiang, Innere Mongolei, Sichuan und Yunnan. Sichuan und Yunnan verfügen über Wasserkraft im Überfluss. Die Bitcoin-Minen in Xinjiang und der Inneren Mongolei werden dagegen von billigem, aber schmutzigem Kohlestrom befeuert. Zumindest letztere sind der Regierung ein Dorn im Auge. Deshalb hat sie im Frühjahr das Bitcoin-Mining in verschiedenen Kohlestrom- Regionen bereits verboten, und damit nicht nur einen drastischen Rückgang der Rechenaktivität im Bitcoin-Netzwerk, sondern auch einen Exodus der Krypto-Goldgräber ausgelöst. Als neue Standorte stehen derzeit Chinas Nachbar Kasachstan und der US-Bundesstaat Texas hoch im Kurs. Auch Argentinien lockt die Bitcoin-Schürfer an, denn der Peso schwächelt und der Staat subventioniert den Strom.

Aus Goldgräbern werden Investoren

Ob Kasachstan, Texas oder Argentinien: Wenn eine einzige Bitcoin-Transaktion soviel Strom verbraucht, wie ein Durchschnittsschweizer in eineinhalb Monaten, kann das nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Dass sich eine sichere Blockchain ohne den immensen Rechenaufwand realisieren lässte, zeigt beispielsweise Ethereum. Der Validierungsmechanismus der zweiten Version der Ethereum-Blockchain funktioniert nicht mehr nach dem Prinzip «Proof of Work» (PoW) sondern nach «Proof of Stake» (PoS). Bei der bisher üblichen PoW-Methode wird die Echtheit einer Transaktion mithilfe komplizierter und damit energiefressender kryptografischer Aufgaben bestätigt. Bei der PoS-Methode hingegen qualifizieren sich die Validierer dadurch, dass sie selbst Coins der jeweiligen Währung besitzen, und diese in eine «Frozen Wallet», eine Art Sperrkonto, einzahlen. Je mehr Kryptowährung ein Validierer hinterlegt, desto höher sein Anteil am Validierungsprozess und damit auch sein Ertrag. Die notwendigen Berechnungen für die Bildung neuer Blöcke sind bei der PoS-Methode weitaus weniger aufwendig und verbrauchen nur wenig Energie.

Wer sich als Validierer von Ethereum 2.0 verdingen will, muss dafür mindestens 32 Ether in eine Frozen Wallet festlegen. Mitte Juni entsprach das etwa 56'000 Franken. Kleinere Beträge können in Pools zusammengefasst werden. Die Höhe des Ertrags ist ungewiss. Je mehr Ether insgesamt für die Validierung «gestaked» – also auf den Sperrkonten deponiert – werden, desto niedriger ist die Rendite, die im Juni bei rund sechs Prozent lag. Zudem ist das Geschäft nicht frei von Risiken. Wer seinen Aufgaben als Validierer nicht ordentlich nachkommt, wird mit Geldstrafen belegt, die direkt aus der Frozen Wallet abfliessen. Ist ein Validierer drei Wochen lang offline, kann er bis zu 50 Prozent seines eingezahlten Kryptogeldes verlieren. Betrüger erwartet gar das «Slashing», der Ausschluss aus dem Ethereum-Netzwerk nebst Totalverlust sämtlicher Einlagen.

 

Autor: Hendrik Thielemann
Bildquelle: Schutterstock
Artikel aus der STZ: Ausgabe August 2021

 

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