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Aus der virtuellen Realität ins Metaverse

STZ, April 2022 - Computer- und Internetkonzerne wie Microsoft und Meta arbeiten am «nächsten grossen Ding»: dem Metaverse, einer Welt, in der physische und virtuelle Realität zusammenwachsen. Dabei setzen sie auch auf Know-how aus der Schweiz.

Wollten Sie schon immer einmal das Matterhorn besteigen? Aber Sie mochten nicht im Schnarchkonzert der überfüllten Hütte übernachten, um sich vor Morgengrauen an der Leine des Bergführers den Hörnligrat hinaufziehen zu lassen, immer in Deckung vor den Steinen, die unbedarfte Seilschaften über Ihnen lostreten? Das alles braucht es nicht mehr. Sie können das Matterhorn jetzt bequem im Verkehrshaus Luzern besteigen – mit Hilfe von Virtual Reality.

In einem Holzpavillon, Teil der Red Bull Media World, befindet sich eine Kletterwand, an der man die letzten Meter zum Gipfel des 4478 Meter hohen Berges bewältigen kann. Der Möchtegern-Alpinist tritt zunächst in den Teil des Pavillons ein, der die Hörnlihütte repräsentiert. Dort erhält der Kletterer Instruktionen und seine Kletterausrüstung – unter anderem Handgelenksensoren, eine VR-Brille sowie einen High-End-VR-Rucksack von HP, der die nötige Rechenleistung zur Verfügung stellt. Die «Besteigung» beginnt ab der Solvayhütte auf 4003 Metern über dem Meer: Dort eingetroffen wird man von einer digitalen Kopie des Zermatter Bergführers Sam Anthamatten in Empfang genommen, der Inputs für einen erfolgreichen Aufstieg mitgibt. Sobald es ans Erklimmen geht und man an der 4,5 Meter hohen Kletterwand – oder dank VR-Brille den letzten Metern vor dem Gipfel – angekommen ist, wartet ein multisensorisches Erlebnis – authentischer Wind, Vibration sowie die fachkundige Unterstützung von Bergführer Anthamatten inklusive.

Um das Matterhorn originalgetreu in der virtuellen Realität abzubilden, hat Red Bull keine Kosten und Mühen gescheut. Während der rund dreijährigen Entwicklungszeit hat sich der österreichische Brausehersteller mit unterschiedlichen Partnern zusammengetan, darunter die VR-Pioniere des «X Studios» aus Orlando, Florida, Location-based-Entertainment- Spezialisten von HP oder das Genfer Architekturbüro 3BM3. Im Juli 2020 machten sich Freeskier Jérémie Heitz und Sam Anthamatten zusammen mit VR-Filmer Jonathan Griffith an die Besteigung des Matterhorns. Ausgerüstet waren sie dabei mit 360°-Kameras und Drohnen, um jeden Winkel des Weges und der Umgebung einzufangen.

Physische und virtuelle Welt wachsen zusammen

Die aufwendige Installation im Verkehrshaus ist beeindruckend, doch eigentlich ist sie schon wieder Schnee von gestern. In Zukunft wird es nicht mehr darum gehen, für kurze Augenblicke aus der echten in die virtuelle Realität zu entfliehen. Es geht darum, die physische und die virtuelle Welt zusammenzubringen. Ein erster Schritt ist die Augmented Reality, also die computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Ein Beispiel dafür ist die Einblendung von Navigationsinformationen im Head-up-Display eines Autos. Auch das ist nicht wirklich neu.

Spätestens seit Facebook-Erfinder Mark Zuckerberg im vergangenen Herbst seine Vision vom Verschmelzen der echten und der virtuellen Realität vorgestellt hat, ist klar: The next big thing – das ist das Metaverse, eine neue «Realität», in der die echte und die virtuelle Welt nahtlos miteinander verschmelzen, «eine Zukunft, in der wir mit einer einfachen Brille die Grenzen der physischen Welt überschreiten », schwärmt Zuckerberg.

Wie dieses Metaversum aussehen könnte, das hat Zuckerberg in einem fast spielfilmlangen Video im vergangenen Oktober dargelegt. Mit entrücktem Blick flaniert er darin durch seinen «Homespace», eine virtuelle Milliardärsvilla mit Seeanstoss und eigenem Observatorium. Dabei fabuliert er über das, was er als «basic concepts of the metaverse» bezeichnet. Mühelos schlägt Zuckerberg den Bogen von Krypto und NFTs, über Hologramme und fotorealistische Avatare bis hin zur Teleportation durch das Metaversum, ausgelöst mit der Kraft der Gedanken und natürlich nach einem «offenen Standard», denn nur mit «Interoperabilität » lasse sich schliesslich das volle Potenzial des Metaversums erschliessen.

Wo Potenziale sind, sind auch Verdienstmöglichkeiten: Das Metaverse biete Online-Unterhaltungs- und Social-Media-Unternehmen die Möglichkeit, neue Einnahmequellen zu erschliessen, schreiben Matthew Kanterman und Nathan Naidu vom Finanz-Informationsdienst Bloomberg Intelligence. Die beiden Analysten sagen voraus, dass bereits im Jahr 2024 rund 800 Milliarden US-Dollar mit dem Metaversum umgesetzt werden.

Schweizer Ingenieure und IT-Experten sind vorne mit dabei, wenn es darum geht, die Anwendungspotenziale von Virtual und Augmented Reality nutzbar zu machen. Rund um die ETHs in Zürich und Lausanne hat sich ein regelrechtes Cluster von Start-ups entwickelt. Viele der jungen Firmen befassen sich mit innovativen Anwendungen der erweiterten Realität, die von der erleichterten Bedienung und Wartung von Maschinen bis hin zur AR-unterstützten Operation reichen.

«Eine Zukunft, in der wir mit einer einfach Brille die Grenzen der physischen Welt überschreiten.»

Mark Zuckerberg über das Metaverse

IT-Riesen setzen auf Schweizer Know-how

Besonders erfolgreich – und deshalb inzwischen aufgekauft – ist beispielsweise das frühere ETH-Spinoff Zurich Eye, das 2016 von Facebook – heute Meta – übernommen wurde. Bei Meta in Zürich entwickeln mehr als 200 Mitarbeiter Technologien rund um die VR-Brillen Oculus Quest und Cambria. Mit Microsoft setzt ein zweiter IT-Gigant auf die Expertise aus der Schweiz: Im 2019 gegründeten Zürcher Mixed Reality & AI Lab von Microsoft arbeiten rund 25 Wissenschaftler und Ingenieure an Mixed-Reality-Technologien. Chef des Labors ist Marc Pollefeys, gleichzeitig Stellvertretender Leiter Institut für Visual Computing an der ETH.

Ein anderer ETH-Professor, Markus Gross, brachte gar jüngst die Idee ins Gespräch, in der Schweiz ein «Metaverse Valley» einzurichten. Dafür, so Gross in einem Interview mit der «SonntagsZeitung», solle ein Venture- Capital-Fonds in Höhe von mindestens 100 Millionen Franken eingerichtet werden.

 

Autor: Hendrik Thielemann
Bildquelle: Red Bull
Artikel aus der STZ: Ausgabe April 2022

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