Swiss Engineering: vertritt die Interessen der Ingenieur/-innen und Architekt/-innen

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Swiss Engineering STV

Das Berufliche Netzwerk der Ingenieurinnen, Ingenieure und Architektinnen, Architekten in der Schweiz

Informationen und Links aufgrund des COVID-19

Hier finden Sie wichtige Informationen und Links zu aktuellen Massnahmen aufgrund des COVID-19:

20.03.2020-Medienmitteilung BAG: Bundesrat zu Ansammlungen von mehr als fünf Personen

17.03.2020-Medienmitteilung BAG (Bundesamt für Gesundheit)

Informationen über das Coronavirus (BAG)

 

Informationen vom Bund für Unternehmerinnen und Unternehmer und Angestellte

  • Handbuch für betriebliche Vorbereitung auf Pandemie: Link
  • FAQ Pandemie in Betrieben (Kurzzeitarbeit, Lohnfortzahlung, Kündigung etc.): Link
  • Regelung Arbeitsausfall wegen dem Corona Virus: Link
  • Kurzarbeitsentschädigung (für Unternehmerinnen und Unternehmer): Link
  • Bürgschaften für KMU: Link
  • Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz: Link
  •  Überbrückungskredite für Unternehmen: Link

Weiter nützliche Informationen für Mitglieder von Swiss Engineering

 

 

Positionspapier Klimawandel: Zeit zu handeln, mit Ingenieursinnovationen

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«Das nächste Jahrzehnt ist matchentscheidend»
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«Das nächste Jahrzehnt ist matchentscheidend»

STZ, Februar 2020 - Swiss Engineering spannt in Sachen Klimaschutz mit AEE Suisse und swisscleantech zusammen. Der Zentralverband hat dazu Mitgliedschaften in den beiden Dachverbänden auf den Weg gebracht. Swiss Engineering STZ sprach mit Stefan Batzli, Geschäftsführer AEE Suisse, Christian Zeyer, Geschäftsführer swisscleantech, und SE-Zentralpräsident Beat Dobmann über die neue Kooperation und den Klimaschutz in der Schweiz.

Meine Herren, geben Sie uns eine Einschätzung aus Sicht Ihrer Organisationen: Wo steht die Schweiz beim Klimaschutz? Und welche Rolle spielen Ihre Verbände dabei?

Christian Zeyer: Wir stehen da wie das Kaninchen vor der Schlange. Wir haben eine Riesenchance, und wir packen sie – noch – nicht. Eine nachhaltige Wirtschaft ist insgesamt profitabler. Der Umbau unseres Energiesystems beinhaltet viele Chancen für neue Geschäftsmodelle. Wir können neue Produkte entwickeln und diese auf den Märkten weltweit positionieren. swisscleantech will dazu beitragen, dass die Schweiz diese Chance nutzt.

«Der Umbau unseres Energiesystems
beinhaltet viele Chancen
für neue Geschäftsmodelle.»

Christian Zeyer

 

Stefan Batzli: Es gibt bereits gute Ansätze: zum Beispiel das CO2-Gesetz. Ich denke, da haben wir wirklich eine Vorlage, mit der man arbeiten kann. Das Gesetz befasst sich mit vielen Facetten der Klimapolitik: dem Flugverkehr, der Mobilität insgesamt. Die AEE Suisse fokussiert sich auf den Gebäudebereich. In diesem Bereich enthält das Gesetz sinnvolle Neuerungen, beispielsweise den Klimafonds, von dem der Gebäudebereich und damit die Transformation des Gebäudeparks insgesamt profitieren. Wir sind mit der Vorlage, wie sie jetzt unterwegs ist, zufrieden. Aus unserer Sicht ist es jetzt wichtig, rasch vorwärts zu machen und diese Vorlage durch das Parlament zu bringen. Das Gesetz wird dann noch in einer Abstimmung bestätigt werden müssen, das wird die grosse Hürde sein.

Das CO2-Gesetz ist aber noch nicht das Ende der Fahnenstange. Weitergehende Massnahmen müssen folgen. Wir müssen Tempo in die Klimapolitik hineinbekommen. Jede Verzögerung ist Gift. Das nächste Jahrzehnt ist matchentscheidend. Denken Sie an den Gebäudebereich: Wenn wir das Netto-Null-Ziel bis 2050 erreichen wollen und wissen, dass eine Heizungsanlage eine Lebensdauer von etwa 20 Jahren hat, dann müssen wir in den nächsten zehn Jahren den Turnaround in der Wärmeversorgung schaffen.

Beat Dobmann: Uns läuft die Zeit davon. Die Politik diskutiert und findet keinen Konsens. Der Club of Rome hat bereits in den 1970er-Jahren die grossen Linien aufgezeigt, aber wir haben 40 Jahre lang wenig bis nichts getan. Jetzt pressiert es plötzlich, und wir reden immer noch. Da werde ich nervös und frage mich: Welche Hebel haben wir als Verband mit 12 500 Mitgliedern? Was können wir als Ingenieure beitragen? Wir haben grosses Fachwissen und hohe Glaubwürdigkeit. Kommunikativ sind wir dagegen eher zurückhaltend. Wenn wir unseren Einfluss geltend machen wollen, müssen wir diese Zurückhaltung überwinden. AEE Suisse und Swisscleantech sind kommunikativ und politisch stark aufgestellt. Wenn wir unsere Fähigkeiten kombinieren, kommen wir alle schneller voran. Wir wollen die Pferde vor den gleichen Karren spannen und mit voller Kraft ziehen.

Christian Zeyer: Glaubwürdigkeit ist in der Tat in dieser Diskussion ein wichtiges Thema. Deshalb arbeiten wir eng mit Hochschulen und unseren Mitgliedsfirmen zusammen und versuchen, unsere Positionen zu einem wesentlichen Teil aus der Wissenschaft abzuleiten. Und zur Glaubwürdigkeit gehört natürlich auch technische Kompetenz. Da eröffnet uns die Partnerschaft mit Swiss Engineering zusätzliche Möglichkeiten. Und wir hoffen auch, dass wir durch die Zusammenarbeit Ingenieure motivieren können, sich in ihren Firmen für den Klimaschutz einzusetzen. Mit konkreten Massnahmen punkten wir in Bern.

Stefan Batzli: Bei AEE Suisse sind jetzt mehr als 30 Verbände organisiert. Von denen holen wir uns die Expertise. Wir sind die Profis im Umgang mit der Politik, das Fachwissen müssen wir aus den Branchenverbänden holen und bei unserem wissenschaftlichen Beirat. Wir wirken aktiv bei der Gestaltung der politischen Rahmenbedingungen mit.

 

«Wir wollen die Pferde vor den
gleichen Karren spannen
und mit voller Kraft ziehen.»

Beat Dobmann

 

Wie wollen Sie diese unterschiedlichen Kompetenzen in der praktischen Arbeit der drei Verbände zusammenbringen?

Christian Zeyer: Die praktische Arbeit bei Swisscleantech findet oft in Fokusgruppen statt. Diese Gruppen bearbeiten bestimmte Themen, die gerade aktuell sind. Unsere Mitglieder bringen sich ein, und daraus entstehen – zusammen mit den Informationen, die wir von Hochschulen und Wissenschaftern erhalten – unsere Ideen für die Politikgestaltung. Unsere Fokusgruppen können von der Expertise der Ingenieure profitieren, und Swiss Engineering kann sich mit seinen Interessen in diese Gruppen einbringen. Ein Beispiel ist das öffentliche Beschaffungswesen, das natürlich auch für die Ingenieure eine grosse Rolle spielt. Da sind wir im politischen Prozess stark engagiert. Da wäre es sehr sinnvoll, zu wissen, was die Ingenieure brauchen, damit sie von Neuerungen im Beschaffungswesen optimal profitieren. Oder die Frage des Zugangs zu internationalen Grossaufträgen. Da untersucht das SECO derzeit, wie man die Schweizer Firmen besser unterstützen kann. Auch dazu werden wir in Kürze eine Fokusgruppe einrichten.

Stefan Batzli: Uns ist es wichtig, dass Swiss Engineering uns als Dienstleister versteht. Wir sind nah an Politik und Verwaltung, wir sind breit vernetzt mit den wichtigsten Entscheidungsträgern. Wir sind deshalb gut aufgestellt und können uns im politischen Prozess früh einbringen. Wir wissen, welche Bedeutung die Politikgestaltung für unsere Mitglieder hat. Und wenn wir oder unsere Mitglieder merken, da entsteht ein Problem, dann helfen wir, indem wir beraten und Kanäle öffnen. Wir sind kantonal organisiert und können auch auf dieser Ebene entsprechend Einfluss nehmen. Energiepolitik ist nicht nur Bundespolitik.

Was den Klimaschutz angeht, sind Sie sich einig: Die Zeit drängt, es muss schnell gehen. Bei der Weltklimakonferenz in Madrid im Dezember war man offenbar anderer Meinung. Was nutzt es, wenn die Schweiz Tempo macht und die anderen nicht?

Stefan Batzli: Die Schweiz ist vom Klimawandel überdurchschnittlich betroffen. Wir haben hier bereits jetzt einen Temperaturanstieg von etwa zwei Grad. Weltweit liegt er bei etwas mehr als einem Grad. Die 1,5 Grad, die man als Ziel diskutiert, die sind bei uns schon überschritten. Was das bedeutet, sehen wir: Die Gletscher schwinden, wir haben Murgänge, Hitzerekorde im Sommer, schneearme Winter. Der Klimawandel ist heute in der Schweiz bereits ein akutes Problem.

Christian Zeyer: Wir leben in einem Land, dem es wirklich gut geht. Wenn Länder wie die Schweiz, die das Potenzial dazu haben, vorausgehen, dann regt das auch die anderen an. Bisher gehören wir Schweizer nicht zu den besonders Fortschrittlichen. Wir haben das Glück, dass wir dank unserer Berge die Wasserkraft stark nutzen können. Aber wer glaubt, wir können uns zurücklehnen, der wiegt sich in falscher Sicherheit. Ein Beispiel: Unsere Gebäude haben die höchsten CO2-Emissionen in Europa. Wir haben die grössten Fahrzeuge. Das sind Bereiche, in denen es viel zu tun gibt.

Aber würden Investitionen im Ausland nicht effektiver zum Klimaschutz beitragen?

Christian Zeyer: Es ist nicht so, dass die Schweiz im internationalen Vergleich so weit voraus ist. Im Gegenteil, andere Länder beispielsweise die skandinavischen, sind in vielen Bereichen weiter als wir. Und selbst China, dem ja das Image des Klimaschädlings anhaftet, tut mehr als viele denken: Im Jahr 2016 hat China 36 Prozent der weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien getätigt. Dabei erwirtschaftete das Land nur rund 12 Prozent des globalen Sozialprodukts. Andere Länder machen auch vorwärts.

Stefan Batzli: Die Position, dass Investitionen im Ausland mehr zum Klimaschutz beitragen als im Inland, führt in die Irre: Wenn wir bis 2050 weltweit mit dem CO2-Ausstoss auf null sein wollen, können wir nicht auf Investitionen in den anderen Ländern hoffen. Jedes Land muss bei sich dieses Ziel realisieren. Wenn wir das hier bei uns in der Schweiz machen, generieren wir technisches Knowhow, das wir dann global am Markt weitertragen können.

«Wenn wir bis 2050
weltweit mit dem CO2-
Ausstoss auf null sein
wollen, können wir
nicht auf Investitionen
in den anderen
Ländern hoffen.»

Stefan Batzli

 

Christian Zeyer: Zudem kommt der internationale Emissionshandel mit Zertifikaten überhaupt nicht voran. Er würde das Problem auch nur vertagen. Wenn wir heute nicht aktiv werden, müssten wir zwischen 2040 und 2050 die Emissionen im eigenen Land um so schneller herunterfahren, weil es dann kaum noch Zertifikate geben wird. Man wird dann keine Massnahmen im Ausland mehr kaufen können, oder nur noch zu einem exorbitant hohen Preis.

Der Umbau unseres Energiesystems wird uns aber auch eine Menge Geld kosten …

Christian Zeyer: Wir verlieren schon jetzt eine Menge Geld. Wenn wir jetzt nicht investieren, bekommen wir langfristig ein Problem. Ein Beispiel: Wenn wir es bis 2040 nicht schaffen, einen wesentlichen Teil unseres Gebäudeparks CO2-neutral zu gestalten, bedeutet das, dass wir danach eine unheimliche Menge von Stranded Assets haben, also von Anlagegütern, deren Wert dramatisch sinkt. Der zweite Aspekt sind die Chancen für unsere Wirtschaft, von denen ich bereits gesprochen habe. In Studien kursiert die Zahl von 50 Billionen Dollar, die weltweit bis 2050 in den Klimaschutz investiert werden müssen. Davon sollten natürlich auch Schweizer
Firmen profitieren.

Beat Dobmann: Wir sind auf dem Wohlstandsniveau, das wir heute haben, weil die Schweiz seit jeher technologisch innovativ war und diese Technolo-gien exportiert hat. Und eines ist sicher: Die weltweite Nachfrage nach Klimatechnologien wird steigen. Deshalb sind Investitionen in solche Technologien kein altruistisches Engagement, sondern wirtschaftliche begründet: Wer Lösungen bieten kann, der wird Geschäfte machen.

Stefan Batzli: Die Argumentation, wonach die Energiewende teuer sein wird, ist falsch. Erstens, weil es sich bei den vermeintlichen Kosten um Investitionen handelt in den Aufbau einer modernen und leistungsfähigen Energieinfrastruktur. Und zweitens ist der Status quo auch nicht gratis zu haben. Jährlich leisten wir uns den Luxus des Energieimportes im Wert von rund 13 Milliarden Franken. Das sind die wahren Kosten.

Warum gibt es dann so viele Widerstände gegen den Umbau des Energiesystems?

Beat Dobmann: Bei diesem Umbau wird es Gewinner und Verlierer geben. Und diejenigen, die verlieren, wehren sich, solange sie können und mit allen Mitteln.

Christian Zeyer: Dabei hätten auch die Verlierer eine Chance, wenn sie ihre Geschäftsmodelle neu denken. Sie müssen sich davon lösen, ein bestimmtes klimaschädliches Produkt zu verkaufen, und stattdessen eine Serviceleistung anbieten. Wenn sich die Erdöllieferanten nicht mehr das Ziel setzen, ihr Öl zu verkaufen, und stattdessen nachhaltig produzierte Wärme ins Haus liefern, können sie ihr Geschäft neu ausrichten und auch in
Zukunft ein profitables Business haben. Das ist dann eben ein anderes.

Interview: Hendrik Thielemann

Artikel aus der STZ: Ausgabe Februar 2020

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