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Die Reduktion der CO2-Emissionen - eine Chance für uns Ingenieure

STZ, Juni 2021 - Das Umdenken in unserer Gesellschaft ist in vollem Gange. Wir Ingenieure haben nicht nur Antworten für die Reduktion der Brennstoffe bereit, sondern auch für diejenige der Treibstoffe.

Swiss Engineering hat mit dem Positionspapier zum Klimawandel im letzten Jahr klar Stellung zur Reduktion der Treibhausgase genommen. Als Autor dieses Positionspapiers ist es mir ein Anliegen, dies gerade jetzt noch einmal zu bekräftigen, wo es in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Eigentlich ist es eine schöne Aufgabe, zur Reduktion des CO2-Treibhausgases Stellung zu nehmen, denn kaum jemand in unserem Land stellt die Notwendigkeit dieser Sache heute noch infrage. Die Wissenschaft hat mit einer Vielzahl von Studien längst belegt, dass der jüngste, seit etwa 100 Jahren messbare Klimawandel vom Menschen gemacht ist. Doch die Erkenntnis allein reicht nicht. Nun müssen Taten und Aktionen folgen. Und hierbei scheiden sich nun die Geister, was zu tun sei. Die einen möchten eine langsame Reduktion ohne massive Eingriffe in die eigene Freiheit und ins Portemonnaie, die anderen möchten die Treibhausgase gerne schon morgen auf Netto Null reduzieren. Lassen wir ganz Ingenieur-like diese beiden Lager weiterdiskutieren und wenden uns einigen Fakten und Daten zu: Der CO2-Ausstoss der Brennstoffe wurde in den vergangenen 30 Jahren im Zuge des kontinuierlichen Ersatzes von Ölheizungen durch Wärmepumpen merklich reduziert. Der CO2-Ausstoss der Treibstoffe jedoch, welcher durch den Verkehr hervorgerufen wird, blieb in der gleichen Zeit fast konstant. Die Arbeit der Entwicklungsingenieure in der Verbrauchsreduktion der Otto- und Dieselmotoren wird durch gestiegene Mobilität kompensiert, und die E-Mobilität zeigt heute noch kaum Wirkung.

Ingenieurleistung ist gefragt ...

Wir Ingenieure wissen, dass der Wohlstand in der Schweiz in den letzten 150 Jahren massgeblich durch unseren Berufsstand geprägt wurde. Hätte es unseren Einsatz in den letzten 30 Jahren nicht gegeben, hätten wir heute kaum Wärmepumpen mit COP's (Coefficient of Performance), welche die Ölheizungen hätten vom Markt drängen können. Andererseits würde die gesteigerte Mobilität mit ineffizienten Motoren auch die Kurve der Treibstoffemissionen in die Höhe schnellen lassen. Doch verweilen wir nicht zu lange im Eigenlob und schauen uns die CO2-Ausstösse am Ende der Zeitskala an: Da stehen gegenwärtig immer noch mehr als 30 Millionen Tonnen Kohlendioxid pro Jahr zu Buche, und die für 2030 im Rahmen des Pariser Klimaabkommens verpflichtende Reduktion auf die Hälfte im Vergleich zu 1990 ist noch fern. Das Umdenken in unserer Gesellschaft ist jedoch in vollem Gange. Wir Ingenieure haben nicht nur Antworten für die Reduktion der Brennstoffe bereit, sondern auch für diejenige der Treibstoffe. Die Substituierung der Otto- und Dieselmotoren durch die Elektromobilität nimmt Fahrt auf, und die Unterstützung dieser Technologie wird den Treibstoffverbrauch nachhaltig verringern.

... und bringt Technologievorsprung

Skeptiker mögen denken, dass der Umstieg auf die Elektromobilität mehrere Atomkraftwerke benötigen würde. Dabei ist jedoch die Erkenntnis wichtig, dass der Carnot-Prozess, welcher den Verbrennungsmotoren zugrunde liegt, nur sehr geringe Wirkungsgrade aufweist. Die künftige Wasserstoffwirtschaft für die Nutzung der Sommerproduktion des Photovoltaikstromes im Winter ist deutlich effizienter. Noch effizienter ist es, wenn der PV-Strom direkt in die Batterie des Elektromobils fliesst. Wussten Sie, wie viel PV-Fläche man benötigt, um einen PKW mit 15'000 km jährlicher Fahrtstrecke zu betreiben? Es sind etwa 15 m2, also nur etwa so viel wie der Parkplatz, auf dem das Auto steht. Berechnungen zeigen, dass nur etwa 20 Prozent mehr elektrische Energie benötigt würde, um den ganzen Personenverkehr auf Elektroantrieb umzustellen. Die Argumente, dass die Schweiz nur etwa ein Prozent des weltweiten CO2-Ausstosses verantworte, sind zwar richtig, jedoch irreführend. Was für uns in der Schweiz zählt, ist  der  Technologievorsprung, den wir erzielen werden. Das hilft uns, die Entwicklungen global zu prägen und wird letztlich auch entscheidend sein, um den Wohlstand für die nächsten Generationen zu sichern. In diesem Sinne sei es einmal mehr gesagt: Ingenieure für die Welt von morgen!

 

Autor: Prof. Roland Büchi, Mitglied im Zentralvorstand Swiss Engineering
Bildquelle: klimaatverandering.files.wordpress.com, Website Bundesamt für Umwelt
Artikel aus der STZ: Ausgabe Juni 2021

 

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