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Verfügbarkeit der elektrischen Energie – eine Selbstverständlichkeit?

STZ, Juli/August 2022 - Die aktuelle Unsicherheit in der Erdgasversorgung und der stetig steigende Energieverbrauch wirft Fragen über die künftige Stromverfügbarkeit auf. Wie ist die Schweiz auf eine Strommangellage vorbereitet? Die Sektion Basel Swiss Engineering STV hat Lukas Küng, Geschäftsführer Primeo Netz AG, Leiter Kommission OSTRAL (Organisation Stromversorgung in ausserordentlichen Lagen) des VSE im Mai 2022 eingeladen, über die Versorgungssicherheit und das Risiko einer Mangellage zu sprechen.

Ein Stromausfall wird spätestens nach Erscheinen des Technik-Thrillers von Marc Elsberg oft als Blackout bezeichnet. Ein Blackout-Ereignis unterscheidet sich aber von einer Strommangellage. Als ein Blackout wird ein kompletter Stromausfall bezeichnet, der eine grosse Zahl von Personen betrifft und nur kurzfristig andauert. Bei einer Strommangellage steht zu wenig Energie für Wochen oder Monate zur Verfügung, wie während den Hitzewellen in Kalifornien im 2020, den Kältewellten in Texas, im Februar 2021 oder der Trockenheit in China im 2021.

Netzstabilität: Gleichgewicht von Produktion und Verbrauch

Die Ursache für einen Stromausfall oder eine Mangellage liegt im Ungleichgewicht von der Produktion zum Verbrauch, denn die Stromeinspeisung und die -ausspeisung müssen immer gleich hoch sein. «Dies ist wie beim Velofahren, ohne elektrische Unterstützung», erklärt Lukas Küng: «Geht es den Berg hoch (der Verbrauch steigt), werden wir langsamer (die Frequenz im Netz sinkt). Entweder wir treten stärker (Produktion erhöhen) oder wir müssen Gepäck abwerfen (Kunden vom Netz trennen), damit wir das Tempo halten können.» Im Fall einer Strommangellage würde der Bundesrat verschiedene Massnahmen in Kraft setzen, um Stromproduktion und Stromverbrauch auf einem tieferen Niveau anzugleichen.

Zuständigkeiten der Stromversorgungssicherheit

Im Normalfall ist die Stromwirtschaft für die Stromversorgung zuständig. Die Spielregeln im teilliberalisierten Strommarkt legt das Parlament fest, die gesetzlichen Spielregeln erarbeitet das Bundesamt für Energie. Die Einhaltung der Spielregeln überwacht die Elektrizitätskommission (elcom). Swissgrid stellt die Stabilität des Übertragungsnetzes sicher, indem sie das Angebot entsprechend der Nachfrage mit Regelenergie regelt. Kommt es zu einer Mangellage, was eine ausserordentliche Lage bedeutet, werden vom Bundesrat Bewirtschaftungsmassnahmen in Kraft gesetzt - ähnlich wie in der Pandemie. 

Wie ist die Schweiz auf eine Strommangellage vorbereitet?
  • Es werden Sparappelle an die ganze Bevölkerung und Wirtschaft gerichtet, was einen geschätzten Stromspareffekt von etwa 5% ergibt. 
  • Die ausserordentliche Lage wird beschlossen. es können Verbrauchsverbote angeordnet werden, beispielsweise für Werbebeleuchtungen und Rolltreppen, welche weitere 10% Sparpotential einbringen. 
  • Die Kontingentierung, die im letzten Jahr eingeführt wurde. Dabei müssen alle Kunden mit einem Stromverbrauch über 100'000 kWh - ein Haushalt braucht ca. 4500 kWh - gemäss einer individuellen Verfügung 10-30% ihres Verbrauchs einsparen. Bemessungsperiode ist der entsprechende Vorjahresmonat.
  • Die rollenden Netzabschaltungen: Der Verteilnetzbetreiber schaltet das Teilnetz in einem 4-Stunden-Turnus. Damit werden maximal 50% Einsparung erreicht. 

«Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz schätzt die Eintretenswahrscheinlichkeit einer Strommangellage auf einmal alle 30 Jahre. Diese Einschätzung wurde 2020 publiziert – noch vor aktuellen Ereignissen wie seit dem letzten Herbst stark steigenden Strompreisen und den unsicheren Auswirkungen der aktuellen geopolitischen Entwicklungen auf die Erdgasversorgung.», schliesst Lukas Küng seine Rede.

 

Autorin: Uschi Roth
Bildquellen: VSE, Information für Grossverbraucher
Artikel aus der STZ: Ausgabe Juli/August 2022

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