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angle-left Das CO₂-Gesetz als Chance für uns Ingenieure
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Das CO₂-Gesetz als Chance für uns Ingenieure

STZ, April 2021 - Beitrag von Carsten Bopp zum CO₂ - Gesetz.

Als Ingenieure und Techniker sind wir gewohnt, in Nützlichkeitsdimensionen zu denken und nach diesen zu handeln. Wir sind gewöhnt an Normen und ärgern uns gleichzeitig darüber, dass sie uns in der Gestaltungsfreiheit einschränken. Uns ist aber bewusst, dass es ohne klare Regeln nicht geht. Das wusste auch schon der damals rein bürgerliche Bundesrat, als er 1876 das erste umweltrelevante Gesetz, das Rodungsverbot erliess. Vor diesem Entscheid wurde der Wald schonungslos übernutzt. Die Folgen waren Überschwemmungen und Erosion. Heute sind wir in einer sehr ähnlichen Situation. Die Herausforderung heisst Klimawandel. Genau wie 1876 bereitet es uns Schwierigkeiten, die langfristigen Auswirkungen unseres Tuns schon heute in Betracht zu ziehen. Diese Auswirkungen könnten erheblich sein. Laut Studien wird der ungebremste Klimawandel in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts jährlich Kosten in der Grössenordnung von 5 bis 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts verursachen. Für die Schweiz wären dies Kosten von 30 bis 120 Milliarden Franken pro Jahr. Es ist offensichtlich, dass dies unseren Wohlstand bedrohen wird.

Mittelweg ist sinnvoll

Die Klimawissenschaft gibt uns einen klaren Takt vor. Wollen wir die Klimakrise vermeiden, müssen die Treibhausgas-Emissionen bis zum Jahr 2050 auf null senken. Auch der Bundesrat hat sich 2019 zu diesem Ziel bekannt, und es herrscht diesbezüglich weitgehend Einigkeit. Uneinigkeit besteht bezüglich des Weges, den die Schweiz einschlagen soll, um dieses Ziel zu erreichen. Daran entzündet sich der Widerstand gegen das CO2-Gesetz, das im Juni zur Abstimmung kommt. Die Gegner des Gesetzes wollen die Umsetzung der Massnahmen gegen den Klimawandel gemächlich angehen. Andere wollen beschleunigt absenken. Beide Wege greifen wohl zu kurz. Warten wir zu, werden wir zwar die CO2-Neutralität rechtzeitig erreichen, wir werden aber das Klima nicht schnell genug stabilisieren können. Ausserdem muss in der letzten Phase der Umsetzung überhastet getan werden, wofür wir drei Jahrzehnte Zeit haben: unsere Gebäude, unseren Verkehr und unsere Wirtschaft zu dekarbonisieren. Senken wir andererseits zu schnell ab, könnte uns dieser Weg möglicherweise wirtschaftlich überfordern – wir wissen es nicht. Sinnvoll ist wohl – wie immer – der Mittelweg. Was die Wirtschaft jedoch am meisten benötigt, ist Planungssicherheit.

 

Der Autor
Carsten Bopp (50) ist Präsident von Swisscleantech und CEO der Pini Group, eines führenden Schweizer Ingenieurbüros. Der Fokus der Pini Group liegt auf der Planung und Beratung im Infrastrukturbau. Carsten Bopp studierte Maschinenbau und war anschliessend bei ABB in der Division Kraftwerke und bei Alstom Power im Bereich Kraftwerksbau tätig. Anschliessend arbeitete er bei Bombardier Schweiz Transportation, zuletzt als President of the Board of Directors. Swisscleantech vereint klimabewusste Unternehmen, die gemeinsam Politik und Gesellschaft für eine CO2-neutrale Schweiz bewegen wollen. Swisscleantech ist Themenführer in Energie- und Klimapolitik und zeigt Lösungen für eine klimataugliche Wirtschaft auf. Der Verband zählt knapp 500 Mitglieder aus allen Branchen, darunter über 30 Verbände, unter anderem auch Swiss Engineering
www.swisscleantech.ch
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Eine ambitionierte Klimapolitik ist auch aus wirtschaftlichen Gründen klug. Weltweit ist ein Rennen um die notwendigen technischen Lösungen ausgebrochen – die Schweiz ist gut positioniert, als einer der Gewinner aus diesem Rennen hervorzugehen. Dazu braucht es einen dynamischen Heimmarkt und die richtigen Anreize. Die Alternative heisst, abzuwarten und später die Lösungen aus dem Ausland einzukaufen – dies ist wenig attraktiv. Ausserdem sendet eine ambitionslose Klimapolitik ein falsches Signal aus. Wenn sich die EU ambitioniertere Ziele setzt, als die Schweiz dies tut, und auch China den Ausbau der erneuerbaren Energien energischer vorantreibt als wir, besteht die Gefahr, dass die Schweiz ihren guten Ruf als fortschrittliches Land verliert. Dies ist schlechtes Marketing für unsere Industrie.

Aber braucht es für eine fortschrittliche Klimapolitik ein ambitioniertes Gesetz? Keine Frage: Der Markt ist unschlagbar darin, kurzfristig knappe Güter optimal zu nutzen. Aber er ist für die langfristige Perspektive blind und braucht deshalb Regeln. Marktversagen dieser Art gibt es viele und die Folgen können verheerend sein. Der Kollaps der Morandi- Brücke in Genua hat uns dies genauso gezeigt wie das Versagen der Stromversorgung im Februar in Texas. Das nun CO2-Gesetz ist ein vernünftiges Gesetz. Es setzt ein klares Ziel, gibt Planungssicherheit, ist sozial ausgewogen, setzt auf klare, langfristige Preissignale und verzichtet auf Verbote. Es verdient ein JA – damit die Wirtschaft die Ärmel hochkrempeln und zeigen kann: #esgeht.


Interview: Carsten Bopp
Bildquelle: Pini Group
Artikel aus der STZ: Ausgabe April 2021

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