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Eine digitale Identität für jedes Produkt

Im nächsten Jahr führt die Europäische Union den digitalen Produktpass ein. Den Anfang machen unter anderem E-Auto-Batterien. Das Bieler Start-up BloqSens berät Unternehmen bei der Einführung des digitalen Produktpasses.

Fertigung des Porsche Cayenne in Bratislava: Ab 2027 ist der digitale Produktpass für E-Autobatterien in der EU vorgeschrieben. | © Porsche
Fertigung des Porsche Cayenne in Bratislava: Ab 2027 ist der digitale Produktpass für E-Autobatterien in der EU vorgeschrieben. (Bild: Porsche)

Der digitale Produktpass ist ein zentrales Element der europäischen Nachhaltigkeitsstrategie. Im Rahmen des Green Deal soll er Transparenz schaffen und die Kreislaufwirtschaft stärken. «Der DPP ist ein digitaler Container für alle produktrelevanten Daten», erklärt Peter Krummenacher, CEO von BloqSens. Das 2023 gegründete Bieler Start-up unterstützt Unternehmen bei der Umsetzung digitaler Produktpässe und der Integration komplexer Produktdaten.

 

Der digitale Produktpass umfasst technische Eigenschaften, Informationen zur Konformität, Umweltkennzahlen sowie Verweise auf Dokumente und Zertifikate. Mittels QR-Code, RFID oder vergleichbaren Technologien lassen sich diese Daten direkt am Produkt abrufen. Die Idee dahinter: Alle relevanten Akteure – von Herstellern über Händler und Kunden bis hin zu Recyclern – greifen auf denselben, standardisierten Datensatz zu, wenn auch mit unterschiedlichen Berechtigungen. Dadurch wird nachvollziehbar, woher Materialien stammen, wie ein Produkt hergestellt wurde, wie es repariert und gewartet werden kann und wie es am Ende seines Lebenszyklus behandelt werden soll.

Batteriepass als erste konkrete Anwendung

Besonders greifbar wird der digitale Produktpass im Bereich Batterien. Hier hat die EU bereits klare Vorgaben gemacht: Ab Februar 2027 müssen Batterien mit einer Kapazität von mehr als 2 kWh – etwa für Elektrofahrzeuge oder industrielle Anwendungen – mit einem digitalen Pass ausgestattet sein. Der Pass begleitet die Batterie über ihren gesamten Lebenszyklus, von der Rohstoffgewinnung über die Nutzung bis hin zu Second-Life-Anwendungen und Recycling.

 

Der Batteriepass gilt als Vorreiter, weil er besonders viele Anforderungen vereint. Er enthält Informationen zur Materialzusammensetzung, zur Herkunft der Rohstoffe, zur Leistungsfähigkeit sowie zum CO₂-Fussabdruck. Eine Besonderheit beim Batteriepass ist die Dynamik: Daten können während der Nutzung aktualisiert werden. So lässt sich beispielsweise der Zustand einer Batterie kontinuierlich erfassen.
«Mit dem digitalen Produktpass wird der State of Health jeder Batterie messbar und nachvollziehbar», erklärt Krummenacher. Auch Ereignisse wie Überhitzung oder Ausfälle können dokumentiert werden. Diese Informationen sind beispielsweise beim Verkauf gebrauchter Elektrofahrzeuge relevant oder für das «zweite Leben» einer E-Auto-Batterie als stationärer Speicher.

 

Darüber hinaus schafft der Batteriepass erstmals Transparenz für das Recycling. «Heute wissen viele Recycler nicht genau, was in einer Batterie enthalten ist», so Krummenacher. Künftig könnten sie gezielter entscheiden, wie Materialien zurückgewonnen werden.

Mittels QR-Code oder RFID können die Informationen des digitalen Produktpasses beispielsweise mit einem Smartphone abgerufen werden. | © BloqSens
Mittels QR-Code oder RFID können die Informationen des digitalen Produktpasses beispielsweise mit einem Smartphone abgerufen werden. (Bild: BloqSens)

Mehrwert entlang des gesamten Lebenszyklus

Auch jenseits von Batterien eröffnet der digitale Produktpass neue Möglichkeiten. So lassen sich etwa Bedienungsanleitungen, Wartungshinweise oder Reparaturanleitungen direkt im Pass hinterlegen. Statt gedruckter Dokumentation entsteht ein zentraler digitaler Informationsraum, der jederzeit aktualisiert werden kann. «Das ist wie ein erweiterter Beipackzettel – aber digital und immer aktuell», so BloqSens-CEO Krummenacher.

 

Für Unternehmen ergeben sich daraus neue Chancen im Service und im Kundenkontakt. Der Produktpass kann als Schnittstelle zu E-Commerce-Systemen dienen oder als Plattform für After-Sales-Angebote. Auch die vorausschauende Wartung wird einfacher: Wenn bekannt ist, wie ein Produkt genutzt wird, lassen sich Wartungsintervalle optimieren oder Ausfälle frühzeitig erkennen.

 

Darüber hinaus entstehen neue Geschäftsmodelle. Hersteller können Produkte zurücknehmen, wiederaufbereiten und erneut vermarkten. Die dafür notwendige Transparenz liefert der digitale Produktpass.

Vom Datensilo zum Ökosystem

Die grösste Herausforderung bei der Einführung des digitalen Produktpasses liegt für viele Unternehmen nicht im Pass selbst, sondern in der Datenbasis. Produktionsdaten, Lieferketteninformationen und Produktstammdaten sind oft über zahlreiche Systeme verteilt. «In der Praxis handelt es sich oft um komplexe IT-Landschaften mit vielen Datenquellen», sagt Peter Krummenacher. Diese müssen zunächst zusammengeführt und in eine standardisierte Form gebracht werden.

 

Genau hier setzt BloqSens an. Das Start-up aus Biel versteht sich als Dienstleister für digitale Produktpässe – mit einem Fokus auf Datenintegration und Systemaufbau. Das Angebot umfasst mehrere Schritte: Zunächst analysiert BloqSens die bestehende Datenlandschaft eines Unternehmens. Anschliessend wird ein Demonstrator für einen konkreten Produktpass entwickelt. Erst danach folgt die Skalierung auf weitere Produkte und Geschäftsbereiche. «Wir beginnen bewusst klein – mit einem Pilotprodukt», erklärt Krummenacher. Entscheidend sei, die Datenflüsse zu verstehen und schrittweise auf die Integration vorzubereiten.

 

Noch befindet sich das Unternehmen im Aufbau: Fünf Mitarbeitende arbeiten derzeit an Lösungen und Demonstratoren. Ein finales Produkt gibt es bewusst noch nicht. «Die Anforderungen sind noch in Bewegung – wir entwickeln uns parallel dazu», so Krummenacher.

Ambitionierter Zeitplan

Viele Details der Regulierung sind noch in Entwicklung und sollen erst in den kommenden Jahren finalisiert werden.

 

Die EU verfolgt bei der Einführung einen sportlichen Zeitplan. Erste Anwendungen – darunter der Batteriepass – sollen bereits im Februar 2027 verpflichtend werden. Doch zwischen politischem Anspruch und technischer Realität klafft eine deutliche Lücke: Standards und technische Spezifikationen müssen erst noch ausgearbeitet werden.

 

Für Unternehmen bedeutet das, frühzeitig zu handeln – auch wenn noch nicht alle Rahmenbedingungen feststehen. Start-ups wie BloqSens sehen darin eine Chance. «Die Technologie ist nur ein Teil der Herausforderung», sagt Krummenacher. Entscheidend sei, die Daten in den Griff zu bekommen – und sie in ein funktionierendes Ökosystem einzubetten.

 

www.bloqsens.com

Zürich 08.07.2026
Beitrag von: Hendrik Thielemann

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