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Das schwimmende Labor im Genfersee

Mitten im Genfersee liefert die Forschungsplattform LéXPLORE rund um die Uhr hochauflösende Daten zu Klima, Biodiversität, Mikroplastik oder Treibhausgasen. Das schwimmende Labor ist heute eine der modernsten Forschungsstationen ihrer Art weltweit – und zugleich Testfeld für neue Umwelttechnologien.

Die Forschungsplattform LéXPLORE im Genfersee | © EPFL/J. Caillet
Die Forschungsplattform LéXPLORE im Genfersee

Seit sieben Jahren gehört die Forschungsplattform LéXPLORE mit ihrem Ring aus gelben Bojen zum Landschaftsbild vor Pully. Dennoch wissen viele Menschen in der Region kaum, was sich dort abspielt. Dabei gilt LéXPLORE heute als eine der modernsten Forschungsstationen, die je auf einem See installiert wurden. Auf der nur rund 100 Quadratmeter grossen Plattform laufen derzeit 25 wissenschaftliche Projekte; rund 40 weitere wurden in den vergangenen Jahren bereits abgeschlossen.

 

Das schwimmende Labor ist mit modernster Messtechnik ausgestattet und erfasst kontinuierlich Daten aus unterschiedlichsten Bereichen – darunter Chemie, Physik, Ökologie, Mikrobiologie, Hydrologie und Klimaforschung. Beteiligt sind rund zwanzig Labors der EPFL sowie Forschungseinheiten der EAWAG, der Universitäten Lausanne und Genf sowie des französischen Seenforschungszentrums CARRTEL.

 

LéXPLORE dient nicht nur der Forschung, sondern auch als Schnittstelle zur Öffentlichkeit. Ein Beispiel dafür ist das Citizen-Science-Projekt «Lémanscope». Über zwei Jahre hinweg beteiligten sich Hunderte Freiwillige an Messungen von Transparenz und Wasserfarbe im Genfersee. Zusammen mit Plattformdaten und Satellitenbildern ermöglichen diese Messungen heute detaillierte Analysen der Wasserqualität und ihrer saisonalen Veränderungen.

Komplexes Ökosystem

Dank Echtzeitüberwachung rund um die Uhr bietet LéXPLORE ideale Bedingungen, um das komplexe Ökosystem des Genfersees zu untersuchen. Forschende analysieren Strömungs- und Durchmischungsprozesse, Biodiversität, biogeochemische Abläufe sowie die Rolle des Sees im Kohlenstoffkreislauf und bei Treibhausgasflüssen.

 

Besonders grosses Interesse gilt der Quagga-Muschel. Das invasive Weichtier wurde vor rund zehn Jahren eingeschleppt und hat sich inzwischen im gesamten Genfersee ausgebreitet. Die Muschel verändert das Ökosystem, verstopft Wasserleitungen und belastet Bootsrümpfe.

 

Auch das Plankton steht im Zentrum mehrerer Forschungsprojekte. Untersucht werden seine ökologische Rolle, vertikale Wanderungen sowie die Auswirkungen steigender Wassertemperaturen auf Populationen und Kohlenstofftransport.

Besucherführung auf der Plattform. | © EPFL/J. Caillet
Besucherführung auf der Plattform.

Mikroplastik und kosmische Strahlung

Die Plattform dient zudem der Untersuchung von Umweltverschmutzung. Forschende analysieren Mikroplastik in der Wassersäule, dessen zeitliche Veränderungen sowie Wechselwirkungen mit Mikroorganismen. Weitere Projekte befassen sich mit Rückständen von Pestiziden, Medikamenten oder Düngemitteln.

 

Gleichzeitig ist LéXPLORE ein Testfeld für neue Technologien unter realen Bedingungen. Entwickelt und erprobt werden unter anderem intelligente Sensoren, Unterwasserroboter, Drohnen oder holografische Mikroskopiekameras.

 

Selbst die Astrophysik nutzt die Plattform: Lichtdicht abgeschirmte Sensoren können hochenergetische Teilchen kosmischer Strahlung nachweisen, die aus der Milchstrasse stammen und beim Auftreffen auf die Wasseroberfläche kurze Lichtblitze erzeugen.

Zürich 27.05.2026
Beitrag von: Sarah Perrin (EPFL)/ht
Bildquelle: EPFL/J. Caillet

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